
Testleser*innen: Deine Geheimwaffe für eine gezielte Überarbeitung
Hast du gerade dein Buch beendet oder stehst kurz davor? Steckst du schon mitten in der Überarbeitung, kommst aber einfach nicht weiter?
Dann wird es Zeit für Testleser*innen. Sie geben dir einen ersten Eindruck, wie dein Buch auf Leser*innen wirkt – und zwar ohne, dass diese alles über die Geschichte wissen, was du weißt. So kannst du zum Beispiel herausfinden, ob deine Geschichte verständlich ist und wo vielleicht noch Fragen offen bleiben, ob andere deine Figuren genauso toll finden und mit ihnen mitfiebern wie du das beim Schreiben getan hast, oder ob die Handlung wirklich so spannend ist, wie du wolltest.
Ich weiß, am Anfang fühlt es sich vielleicht komisch an, seinen Text anderen in die Hand zu geben. Bevor ich meine ersten Lektorate gemacht habe, war ich selbst eine Weile lang Testleserin für verschiedene Autor*innen und habe auch meine eigenen Texte testlesen lassen und ich weiß noch, was mich das für eine Überwindung gekostet hat. Aber glaub mir: Testleser*innen-Feedback ist Gold für dich und deinen Text wert und kann dir helfen, in der Überarbeitungsphase motiviert und gezielt voranzukommen. Ich habe in meiner Zeit als Testleserin wahnsinnig viel darüber gelernt, wie man gutes Feedback gibt und mithilfe von Testleser*innen wiederum, wie man Feedback annimmt und umsetzt.
Deshalb schauen wir uns im Blogartikel einmal genauer an, wo du Testleser*innen findest, was du in der Arbeit mit ihnen beachten solltest und wie mit ihrem Feedback deinen Roman voranbringen kannst.
- Kurze Definition: Was sind Testleser*innen?
- Warum brauchst du überhaupt Testleser*innen?
- Wie findest du Testleser*innen?
- Wie viele Testleser*innen brauchst du?
- Wie wählst du die richtigen Testleser*innen für dein Projekt?
- Wann ist der richtige Zeitpunkt für Testleser*innen?
- Wie bereitest du die Zusammenarbeit am besten vor? Welche Erwartungen gilt es, abzuklären?
- Feedback auswerten und umsetzen
- Wertschätzung und Dankbarkeit ausdrücken
1. Kurze Definition: Was sind Testleser*innen?
Testleser*innen sind Personen, die freiwillig und unentgeltlich deine Geschichte noch vor der Veröffentlichung und üblicherweise auch vor dem Lektorat lesen. Nicht selten sind sie die ersten Personen, die einen Text nach der Entstehung zu sehen bekommen. Von ihnen erhältst du eine erste Rückmeldung darüber, wie dein Text auf potenzielle Leser*innen wirkt.
Sie helfen dir, die Qualität deines Textes zu verbessern und grobe Schnitzer wie Logiklücken, langweilige Szenen oder Infodump auszubessern, bevor dein Text ins Lektorat oder an Agenturen und Verlage geht. Ihr Feedback ist eine grandiose Möglichkeit, dich als Autor*in zu entwickeln und dazuzulernen.
2. Warum brauchst du überhaupt Testleser*innen?
Ganz einfach: weil du früher oder später betriebsblind wirst. Du kennst deine Geschichte in- und auswendig, du weißt, was in den Köpfen deiner Figuren vorgeht, und du hast einen Überblick über die Handlungsstränge, die du so liebevoll verwoben hast. Deine Leser*innen allerdings nicht. Sie schauen mit einem frischen, unvoreingenommenen Blick auf deine Geschichte – und genau das ist für die Überarbeitung wichtig.
Testleser*innen helfen dir,
- Plotlücken zu erkennen,
- Figuren auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen,
- Setting und Atmosphäre greifbarer darzustellen,
- den Spannungsbogen wirkungsvoller zu machen und
- stilistische Holprigkeiten zu glätten,
- aber vor allem: zu verstehen, ob und wie deine Geschichte bei den Leser*innen ankommt.
Anhand des Feedbacks deiner Testleser*innen kannst du herausfinden, an welchen Stellen du in der Überarbeitung noch einmal ansetzen musst. Gleichzeitig kann dich ebendieses Feedback auch motivieren, denn es gibt höchstwahrscheinlich Dinge an deiner Geschichte, die deine Testleser*innen lieben werden. Du bekommst nicht nur ein Gefühl für deine Verbesserungpotenziale, sondern auch für deine Stärken, was dir im weiteren Prozess bis zur Veröffentlichung helfen wird.
Testleser*innen-Feedback kann zwar den geschulten Blick eines/einer professionellen Lektor*in nicht ersetzen, dir aber wertvolle Rückmeldungen geben, mit denen du dein Manuskript fürs Lektorat aufbereiten kannst, damit dein*e Lektor*in später effizienter arbeiten kann.
3. Wie findest du Testleser*innen?
Hier kommt es ein wenig darauf an, womit du dich wohlfühlst. Manche Autor*innen vertrauen ihre Texte lieber zuerst Menschen an, die sie persönlich kennen und denen sie nahestehen. In diesem Fall ist dein Umfeld ist oft der beste Startpunkt für die Suche. Hast du Familienmitglieder, Freund*innen, Bekannte oder Kolleg*innen, die gerne lesen? Sprich sie an und erzähl ihnen ein wenig von deinem Projekt, vielleicht hat ja der/die eine oder andere Lust, dich zu unterstützen.
Natürlich ist Feedback aus dem direkten Umfeld nicht für jeden etwas. Vielleicht kennst du niemanden, der zur Zielgruppe für deine Geschichte gehört. Vielleicht möchtest du auch einfach sichergehen, dass das Feedback nicht von persönlichen Beziehungen beeinflusst wird. In diesem Fall kannst du deinen Text natürlich auch fremden Testleser*innen anvertrauen, die dir ganz unvoreingenommen eine Rückmeldung geben können.
Beispielsweise kannst du dich in buchzentrierten Räumen online und insb. auf Social Media wie Bookstagram, BookTok, oder BookTube mit Leser*innen und anderen Autor*innen vernetzen und in Kontakt kommen. Kleinere Buchblogger*innen sind manchmal durchaus offen, testzulesen, wenn deine Geschichte interessant klingt. Auch andere Autor*innen sind meist bereit, testzulesen, besonders, wenn ihr einen Austausch etabliert und du im Gegenzug auch deren Manuskript liest und feedbackst.
Ebenso können Schreibcommunities dir helfen, dich mit anderen Autor*innen zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen. Online gibt es z. B. die Schreibnacht oder die Schreibwerkstatt, und in vielen kleineren und größeren Städten finden auch vor Ort Schreibwerkstätten oder Schreibtreffs statt, bei denen man sich austauschen kann.
So kannst du dir ein kleines Netzwerk aus gleichgesinnten Autor*innen aufbauen, das dich im Idealfall sogar übers Testlesen hinaus unterstützt, dich z. B. durch den Schreib- und Überarbeitunsgprozess hinweg motiviert und dir hilft, rund um die Veröffentlichung Sichtbarkeit zu generieren.
Wenn du bereits eine eigene Community hast (z. B. über einen Newsletter, Blog, oder Social-Media-Account), kannst du auch dort nachfragen. Oft sind Fans deiner Texte besonders motiviert, dir zu helfen.
4. Wie viele Testleser*innen brauchst du?
Auch hier kommt es wieder darauf an, womit du dich wohlfühlst: Willst du mehrere Testlese-Runden mit verschiedenen Personen machen, bietet sich oft eine größere Anzahl (10-15) an. Wenn dein Text sehr komplex ist, solltest du auch ein paar Testleser*innen mehr einplanen (5-7).
Vermeiden solltest du folgende zwei Extreme:
- Zu wenige Testleser*innen (1–2): Das Feedback ist zu einseitig und nicht repräsentativ.
- Zu viele (10+ pro Runde): Die Auswertung wird unübersichtlich, und du verlierst dich in widersprüchlichen Meinungen.
Wichtig ist, dass du zum einen verschiedene Meinungen einholst, um persönliche Vorlieben von übergreifenden Schwachstellen im Text unterscheiden zu können. Dabei solltest du aber in einem Rahmen bleiben, indem die Sichtung und Auswertung des Feedbacks für dich machbar bleibt. Wenn du dich am Ende durch über hundert Seiten Material wühlen musst, kann das deinen Prozess nämlich im schlimmsten Fall lähmen.
Für den Anfang empfehle ich deswegen immer 3-5 Testleser*innen. Falls du im Anschluss merkst, dass du noch mehr Eindrücke oder eine zweite Meinung nach der Überarbeitung willst, kannst du immer eine zweite Runde starten.
Ebenso wichtig wie die Anzahl deiner Testleser*innen ist es jedoch, auch die richtigen Personen auszuwählen.
5. Wie wählst du die richtigen Testleser*innen für dein Projekt?
Es ist eigentlich nicht überraschend, aber gerade wenn du das erste Mal nach Testleser*innen suchst, geht dieser Punkt gerne unter: Nicht jede*r Testleser*in ist für jedes Projekt geeignet.
Deshalb solltest du dir vor der Zusammenarbeit die folgenden Fragen stellen:
- Zielgruppe: Passt die Person zu deiner Zielgruppe oder ist sie sogar ein Teil davon? Wenn du einen Jugendroman schreibst, ist Feedback von deiner Oma vielleicht weniger relevant als das deiner 16-jährigen Nichte. Was nicht heißen muss, dass die Person immer auch Teil der Zielgruppe sein muss: Es gibt viele Menschen (mich eingeschlossen), die bereits erwachsen sind, aber gerne und viele Jugendbücher lesen und sich deshalb gut als Testleser*innen eignen, weil sie ein Gefühl für das Genre haben.
Deshalb: Frage am besten vorab die Lesegewohnheiten und Interessen potenzieller Testleser*innen ab. Welche Genre lesen sie am häufigsten? Was mögen sie? Was gefällt ihnen vielleicht auch gar nicht? - Erfahrung: Hat die Person schon mal Feedback zu Texten gegeben? Erfahrene Testleser*innen erkennen oft schneller strukturelle Probleme oder stilistische Schwächen. Was nicht heißen muss, dass eine Person, die vielleicht zum ersten Mal testliest, nicht ebenso konstruktives und hilfreiches Feedback geben kann. Hier braucht es im Zweifelsfall nur etwas mehr Anleitung von dir als Autor*in, damit du am Ende konkretes Feedback erhältst. Was direkt zum letzten Punkt führt:
- Feedback-Qualität: Achte darauf, ob das Feedback konkret und konstruktiv ist. Ein „Das Kapitel war langweilig“ hilft dir weniger als: „Die Dialoge im zweiten Kapitel wirken unnatürlich, weil die Figuren zu formell sprechen.“ Wenn du dir noch nicht sicher bist, ob deine Testleser*innen dir für dich hilfreiches Feedback geben können, testet vielleicht anhand der ersten Kapitel einmal, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte.
Wenn du deine Gruppe an Testleser*innen beisammenhast, folgt nun der nächste Schritt: der richtige Zeitpunkt für Feedback von außen.
6. Wann ist der richtige Zeitpunkt für Testleser*innen?
Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn jede*r Schreibende und jede*r Schreibprozess ist anders. Ich persönlich empfehle immer, frühestens mit dem Testleseprozess anzufangen, wenn dein Rohmanuskript beendet ist. Erfahrungsgemäß ist vorher das Risiko einfach zu hoch, dich in endlosen Feedbackschleifen zu verheddern und den Text nie fertigzuschreiben. Stell dir vor, du schickst Kapitel 1 an Testleser*innen, während du weiterschreibst. Dann bekommst du Feedback, überarbeitest – musst anschließend aber Kapitel 2 und 3 nochmal ganz neu schreiben, obwohl es vielleicht im Gesamtwerk gut funktioniert hätte. Das ist frustrierend und kann dich gerade beim ersten Buch ganz schön ausbremsen.
Es gibt Autor*innen, die so arbeiten, aber gerade für Debüts empfehle ich, zuerst einen Entwurf zu beenden und dann Feedback einzuholen.
Manche Autor*innen (insbesondere Pantser, also die, die ohne detaillierten Plot schreiben) überarbeiten ihr Manuskript auch erst noch einmal selbst (https://annalena-rauh.de/2024/09/26/diy-lektorat-so-uberarbeitest-du-dein-buch-mit-struktur/), bevor sie es an Testleser*innen geben. Das kann sinnvoll sein, wenn du das Gefühl hast, dass dein Text noch nicht „rund“ ist.
Spätestens, wenn du selbst nicht mehr genau weißt, wo du noch ansetzen sollst, ist es Zeit für einen Blick von außen.
7. Wie bereitest du die Zusammenarbeit am besten vor? Welche Erwartungen gilt es, abzuklären?
Bevor du deinen Text in nun die Welt schickst, ist es entscheidend, klare Absprachen zu treffen. Sonst riskierst du, dass deine Testleser*innen unsicher sind oder du am Ende Feedback bekommst, das dir nicht weiterhilft.
1. Schwerpunkte festlegen
Deshalb solltest du dir zuerst darüber klarwerden, was genau die Testleser*innen untersuchen sollen und genaue Punkte für das Feedback definieren. Möchtest du wissen, ob:
- der Plot logisch und spannend ist?
- die Figuren glaubwürdig und sympathisch wirken?
- der Schreibstil flüssig und ansprechend ist?
- die Verständlichkeit gegeben ist (z. B. bei komplexen Themen, Welten etc.)?
Wenn du magst, kannst du auch jeder/jedem Testleser*in einen anderen Schwerpunkt zuteilen. Das ist besonders empfehlenswert, da du so alle Aspekte deiner Geschichte untersuchen lassen kannst, ohne deine Testleser*innen zu überfordern.
2. Zeitrahmen für Testleser*innen besprechen
Als nächstes ist es wichtig, einen Zeitrahmen zu besprechen, der realistisch für deine Testleser*innen ist, dich aber auch im Prozess nicht ausbremst. Denn nichts ist frustrierender, als ständig nachhaken zu müssen oder als Testleser*in nicht hinterherzukommen.
Am besten fragst du deine Testleser*innen vorab, was für sie machbar wäre. Ein ganzes Buch in einer Woche zu lesen, ist für die meisten Menschen schwer umsetzbar. 4-8 Wochen sind hier ein guter Richtwert – je nach Länge des Textes.
3. Am Stück vs. häppchenweise testlesen lassen
Zudem kannst du auch überlegen, ob der Prozess lieber am Stück oder häppchenweise erfolgen soll. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch und jede Vorgehensweise hat ihre Vor- und Nachteile:
- Am Stück: Ideal, wenn du den gesamten Handlungsbogen und die Lesewirkung bewerten lassen möchtest. Die Testleser*innen können so besser einschätzen, ob die Geschichte rund ist und ob die Charakterentwicklung stimmt. Zudem kannst du die Überarbeitung so “von groß nach klein” angehen und dich zuerst mit kapitelübergreifenden Problemen beschäftigen, bevor du dich an die Details machst.
- Häppchenweise (z. B. 1–5 Kapitel): Hierbei bekommst du schneller Feedback und kannst damit direkt weiterarbeiten oder idealerweise direkt gegensteuern, bevor du den nächsten Abschnitt verschickst. Das ist besonders sinnvoll, wenn das Grundgerüst deiner Geschichte bereits sehr solide ist und du nochmal im Detail an den einzelnen Kapiteln arbeiten möchtest.
Mein Tipp: Probier zu Anfang beides aus! Vielleicht startest du mit den ersten Kapiteln, auch um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Qualität des Feedbacks ist, das du erhältst. Anschließend kannst du Schwerpunkte verteilen und den ganzen Text lesen lassen.
4. Das richtige Dateiformat zum Testlesen wählen
Hierbei empfehle ich, dich nach den Bedürfnissen deiner Testleser*innen zu richten und sie vorab zu fragen, was für sie am besten funktioniert.
- PDF oder EPUB: Für Leser*innen ist dies meiner Erfahrung das bequemste Format, da sie den Text so auch per E-Reader lesen können und nicht am Bildschirm sein müssen. Allerdings ist es dadurch auch nicht möglich, direkt an konkreten Stellen Kommentare zu hinterlassen. Ein kleines Workaround ist hier die Formatierung als PDF mit Seiten- und Zeilennummerierung. So können auch Kommentare zu konkreten Stellen gemacht werden. Wenn du eher allgemeines Feedback zur Wirkung des Textes möchtest und vielleicht sogar einen Fragebogen vorbereitet hast, ist dieses Format gut geeignet.
- .odt oder .docx: Wenn es dir besonders wichtig ist, unmittelbare und konkrete Leseeindrücke direkt am Text zu sehen, eignet sich dieses Format besser. Hier können Testleser*innen direkt Kommentare am Text hinterlassen. Achte darauf, dass sie im „Änderung verfolgen“-Modus arbeiten oder nur Leserechte haben, wenn du keine versehentlichen Änderungen riskieren willst. Und sei dir bewusst, dass Feedback am Text mehr Arbeit für dich bedeutet, da es meist umfangreicher und detaillierter ausfällt.
- ausgedruckt: Manche Testleser*innen mögen es auch ausgedruckt. Meinr Erfahrung kommt das zwar selten vor, aber wenn du darum gebeten wirst, kannst du es trotzdem anbieten.
5. Begleitmaterial für Testleser*innen vorbereiten
Damit deine Testleser*innen den Text besser beurteilen können, kannst du ihnen im Vorfeld ein wenig Kontext geben. Dazu kann gehören:
- Informationen zur Zielgruppe (z. B. „Dieser Roman richtet sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 30“)
- Informationen über behandelte Themen, Tropes und eventuelle Content Warnings
- Welche Botschaft du vermitteln möchtest und welche Aspekte am Text dir besonders wichtig sind (So können sie darauf achten, ob das deutlich wird oder ob es noch Verbesserungspotenzial oder sogar Widersprüche gibt)
- Ggf. welchen Aspekt sie schwerpunktmäßig untersuchen sollen (z. B. Figuren, Atmosphäre, Stil, Spannung etc.)
Zudem kannst du dir und deinen Testleser*innen die Zusammenarbeit erleichtern, indem du einen vorgefertigten Fragebogen mitsendest. So stellst du sicher, dass das Feedback für dich konstruktiv und begründet ist und deine Testleser*innen verlieren die wichtigen Fragen nicht aus dem Blick.
Eine Vorlage für einen solchen Fragebogen für Testleser*innen kannst du hier herunterladen. Die digitale Version kannst du auch anpassen, wenn du magst.
Wenn alle Einzelheiten geklärt sind, sendest du deinen Testleser*innen den Text und dann heißt es erst einmal warten. Das ist übrigens ein sehr guter Zeitpunkt, um dir Gedanken darüber zu machen, wie deine nächsten Schritte nach der Überarbeitung aussehen, ob und wie du deine Geschichte veröffentlichen willst und ggf. mit dem Buchmarketing zu beginnen.
Nach dem besprochenen Zeitrahmen erhältst du du schließlich das Feedback von deinen Testleser*innen und nun liegt der Ball wieder in deinem Feld.
8. Feedback auswerten und umsetzen
Je nachdem, ob deine Testleser*innen direkt am Text mit Kommentaren gearbeitet, einen Fragebogen ausgefüllt oder dir ganz frei per Mail oder Textdokument ihren Eindruck geschildert haben, hast du nun eine mehr oder weniger große Flut an Daten vor dir, die du Schritt für Schritt durchgehen kannst.
1. Gemeinsamkeiten und Wiederholungen erkennen
Wenn mehrere Testleser*innen das Gleiche anmerken (z. B. „Der Protagonist wirkt unsympathisch“ oder „Die Handlung ist im mittleren Drittel zu langsam“), liegt wahrscheinlich ein strukturelles Problem vor. Diese Überschneidungen im Feedback solltest du ernstnehmen, denn sie verraten dir, wo du in der Überarbeitung definitiv noch einmal ansetzen solltest.
2. Bei diffusem Feedback noch einmal Nachhaken
Wenn du Rückmeldungen erhalten hast, die du nicht verstehst oder die ungenau sind, kannst du noch einmal bei den jeweiligen Personen nachhaken. Oft lässt sich so ein Problem noch genauer bestimmen, damit du weiterarbeiten kannst.
3. Einzelmeinungen gegenprüfen
Wenn ein*e Testleser*in etwas angemerkt hat, das im Feedback aller anderen keine Erwähnung findet, solltest du nochmal gegenprüfen. Wenn beispielsweise eine Person deine Protagonistin als naiv und kindlich empfunden hat und ihre Handlungen deshalb nicht nachvollziehen könnte, kannst du die anderen Testleser*innen konkret fragen, ob sie das ebenfalls so sehen. Oft geben hier persönliche Vorlieben den Ausschlag, und was eine Person vielleicht nervig findet, gefällt einer anderen gut, aber manchmal gibt es auch an diesen Stellen strukturelle Probleme, für die einzelne Personen einfach sensibler sind als andere.
4. Positives Feedback notieren & für dich nutzen
Wenn es dir wie mir geht und dein innerer Imposter sich bei Feedback gern auf die kritischen Aspekte stürzt, um dir zu präsentieren, wie inkompetent du bist, dann solltest du diesen Punkt auf keinen Fall überspringen (Ich mein’s ernst!).
Nimm dir bewusst Zeit, um das Lob deiner Testleser*innen herauszufiltern und speichere es irgendwo ab, wo du darauf zugreifen kannst. Besonders schöne Komplimente kannst du dir screenshotten und als Hintergrund für deinen Desktop verwenden oder im Schreibprojekt an den Anfang setzen, um dich zu motivieren, wenn du es öffnest. Wenn du magst, kannst du auch Ausschnitte ausdrucken und irgendwo gut sichtbar auf deinem Schreibtisch platzieren.
Wichtig ist, dass du deine Stärken im Blick hast, wenn du in die Überarbeitung gehst. So bleibst du motiviert und vertraust auf deine Fähigkeiten.
5. Feedback priorisieren und einen Plan für die Überarbeitung entwickeln
Bevor du mit der Überarbeitung beginnst, gilt es erst einmal, einen “Schlachtplan” zu entwerfen. Am besten ordnest du dafür das Feedback nach Umfang und Dringlichkeit:
- Kritische Fehler (z. B. logische Widersprüche, unverständliche Passagen)
- Strukturelle Probleme (z. B. schwache Charakterentwicklung, langweilige Handlungsabschnitte)
- Stilistische Anpassungen (z. B. zu wenig Atmosphäre oder Beschreibung des Settings, Infodump, Schreibstil).
In der Überarbeitung fängst du dann mit den größten Baustellen an und arbeitest dich nach und nach zum Detail vor. Es bringt wenig, an der Formulierung eines Satzes zu feilen, wenn die ganze Szene nicht funktioniert.
Wenn du magst, kannst du dich hierfür auch an Schritt 4 und 5 meiner Anleitung für die Überarbeitung orientieren.
6. Das Feedback in der Überarbeitung integrieren
Wenn du einen Plan gemacht hast, musst du ihn nun „nur noch” umsetzen. Überlege, was du tun kannst, um an den großen und kleinen Schwachstellen zu arbeiten und mehr herauszuholen.
- Manche Testleser*innen liefern dir von sich aus Ideen und Ansätze, aber es ist wichtig, dass du diese kritisch reflektierst und nicht alles 1:1 übernimmst. Immerhin bist du die/der Autor*in und solltest deine eigene Stimme beibehalten. Wenn dir ein Feedback oder eine Idee nicht einleuchtet, musst du es nicht berücksichtigen.
- Auch experimentieren kann gut funktionieren: Wenn Testleser*innen sagen, dass eine Szene zu lang ist, kannst du sie kürzen – oder aber mehr Spannung einbauen, damit sie nicht langweilig wirkt. Teste verschiedene Lösungen, um ein Problem zu beheben und schaue, was sich für dich am stimmigsten anfühlt.
- Wenn du unsicher bist, besprich deine Ideen für die Überarbeitung mit deinen Testleser*innen und frag sie nach ihrer Meinung. Oft können sie dir helfen, kleine Denkfehler zu finden oder dich bestärken, wenn du schon eine gute Option gefunden hast.
9. Wertschätzung und Dankbarkeit ausdrücken
Testleser*innen investieren meist unentgeltlich Zeit und Energie in dein Projekt. Vergiss also nicht, sie wissen zu lassen, wie sehr du ihre Hilfe schätzt und wie dankbar du für ihr Feedback bist.
Eine individuelle Nachricht (per E-Mail oder handschriftlich) zeigt, dass dir ihr Feedback wichtig ist und sollte am Ende des Prozesses selbstverständlich sein. Wenn du magst, kannst du dich zusätzlich auch mit einer kleinen Aufmerksamkeit bedanken, z. B. einem kleinen Gutschein, Süßigkeiten oder einem liebevoll zusammengestellten Brief oder Paket.
Auch eine Erwähnung in der Danksagung ist eine liebe Geste, die deine Wertschätzung ausdrückt und die Testleser*innen zu schätzen wissen – immerhin haben sie maßgeblich dazu beigetragen, dass du deine Geschichte auf die Weise überarbeiten konntest.
Sobald dein Buch erscheint, kannst du deinen Testleser*innen auch ein Exemplar (digital oder gedruckt) zusenden, darüber freuen sich die allermeisten.
Falls du Autor*innen als Testleser*innen hattest, kannst du als Dankeschön auch anbieten, ihr Manuskript testzulesen.
Wenn deine Testleser*innen dir konstruktives Feedback gegeben haben, frag sie am besten, ob sie auch bei zukünftigen Projekten dabei sein möchten. So baust du dir ein vertrautes Netzwerk auf – und musst nicht bei jedem neuen Text von vorne suchen. Wenn du magst, kannst du dir eine „Testleser*innen-Datenbank“ erstellen, mit Kontaktdaten und Notizen (z. B. „[Name] – besonders gut in Plot-Analyse, liebt Fantasy“), die dir für künftige Testlese-Phasen helfen.
Testleser*innen sind eine grandiose Möglichkeit, dich als Autor*in weiterzuentwickeln und schon vor der Bewerbung bei Agenturen oder Verlagen und dem Lektorat erste Leser*innenmeinungen einzuholen. Am Anfang mag es dich vielleicht ein wenig Überwindung kosten, deinen Text anderen Menschen anzuvertrauen, aber ich kann dir versichern, dass es sich lohnt. Also: Trau dich und teile deine Texte. Wer weiß — vielleicht wartet da draußen schon jemand darauf?
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