Titelbild zum Blogbeitrag „Verlag vs. Selfpublishing: Welcher Veröffentlichungsweg passt zu dir und deinem Roman?“

Verlag oder Selfpublishing: Welcher Veröffentlichungsweg ist der richtige für deinen Roman?

Gerade, wenn du dein erstes Manuskript beendet hast, kann die Entscheidung überwältigend sein. Unzählige Verlage und Selfpublishing-Anbieter werben mit dem, was sie für dich und deine Geschichte tun können und der Traum, das eigene Buch bald in der Hand halten zu können, wird plötzlich greifbar. Gleichzeitig ist es total normal und verständlich, wenn dir in dieser neuen, aufregenden Buchwelt erst einmal jede Orientierung fehlt. Wie läuft das mit der Veröffentlichung? Wie lange dauert so was? Wie findet man einen Verlag für sein Buch und wie realistisch ist das? Lohnt sich Selfpublishing?

Genau deshalb habe ich in diesem Blogartikel mal kurz und knapp zusammengestellt, was du über die beiden Veröffentlichungswege Verlag und Selfpublishing wissen musst:

  1. Der Weg zum Verlag
  2. Die Veröffentlichung im Selfpublishing
  3. Verlag und Selfpublishing im Vergleich
  4. Welcher Weg passt zu dir?

Schauen wir uns zuerst einmal beide Veröffentlichungsformen im Detail an.

1. Der Weg zum Verlag

Eine Veröffentlichung im Verlag gilt oft als „klassischer“ Veröffentlichungsweg. Im Grunde genommen kauft hier ein Verlag, der daran glaubt, dass deine Geschichte erfolgreich werden kann, die Rechte, diese Geschichte veröffentlichen zu dürfen. Dafür kümmert sich der Verlag dann auch um alle Dienstleistungen, die bis zur Veröffentlichung nötig sind, also beispielsweise Lektorat, Korrektorat, Satz, Buchdesign, Druck, Vertrieb und Marketing, und geht hierfür in Vorleistung.

Bis zur Verlagsveröffentlichung kann es allerdings ein langer Weg sein. Besonders größere Publikumsverlage erhalten jährlich enorm viele unverlangt eingesendete Manuskripte, von denen nur ein Bruchteil überhaupt gesichtet und ein noch kleinerer Bruchteil angenommen wird. So werden laut Erhebungen von Tredition von zehntausend unaufgefordert eingesendeten Manuskripten am Ende zwei veröffentlicht (Quelle: https://tredition.com/self-publishing-oder-verlag/, Stand 13.07.2026).
Einen direkteren Zugang kann man als Autor*in über die Teilnahme an Ausschreibungen erhalten, in denen Manuskripte spezieller Genres oder Thematiken gesucht werden.

Auch die Bewerbung bei einem Kleinverlag kann ein guter Weg sein, um erstmal einen Fuß in die Tür der Verlagswelt zu bekommen. Besonders, wenn dein Thema eher nischig oder außergewöhnlich ist, stehen die Chancen gut, dass sich ein kleiner Verlag darauf spezialisiert hat. Üblicherweise ist das Budget in diesen Verlagen kleiner, aber die Betreuung auch etwas familiärer.

Wenn du möchtest, kannst du für die Verlagssuche auch eine Literaturagentur als Mittler einschalten. Agent*innen verfügen meist über ein großes Netzwerk an Verlagskontakten, über die sie erfahren, was der jeweilige Verlag gerade sucht und worauf Wert gelegt wird. Die Verlagsmitarbeiter*innen wiederum vertrauen dem Urteil der Agent*innen, sodass von ihnen vorgeschlagene Titel oft bessere Chancen haben, aufgenommen zu werden. Agent*innen helfen auch bei der Aushandlung von Konditionen und Vorschüssen. Allerdings gilt auch für den Weg zur Literaturagentur: Es kann ein langer Weg mit vielen Bewerbungen und Absagen sein, bis es klappt.

Hier einmal im Überblick, welche Vor- und Nachteile eine Veröffentlichung im Verlag hat:

VorteileNachteile
Finanzielle Absicherung: Der Verlag trägt die finanzielle Last, zahlt für alle Dienstleistungen rund ums Buch und du erhältst obendrein manchmal sogar einen Vorschuss.Lange Wartezeiten: Allein die Bewerbungsphase bei Agenturen und Verlagen kann Jahre dauern. Wird deine Geschichte dann angenommen, vergehen oft nochmal 1-3 Jahre, bis das Buch schließlich veröffentlicht wird.
Know-How: Bei der Veröffentlichung im Verlag kannst du dich auf professionelles Know-How stützen. Sowohl was die Positionierung am Markt und die Gestaltung angeht als auch beim Vertrieb arbeitest du hier mit Menschen zusammen, die wissen, wie ein Buch zu seinen Leser*innen findet.Weniger kreative Kontrolle: Der Verlag hat bei Titel, Cover, Lektorats-Änderungen und Marketingstrategie das letzte Wort. Meist darfst du zwar mitreden, aber es kann sein, dass nicht alle deine Wünsche und Ideen umgesetzt werden.
Vertrieb & Reichweite: Eine Veröffentlichung im Verlag bedeutet oft eine bessere Verfügbarkeit des Titels in Buchhandlungen, Bibliotheken und auf Online-Plattformen – meist mit besserer Sichtbarkeit, da der Titel nicht für sich allein steht, sondern in ein Programm eingebettet ist und von der Reichweite des Verlags profitiert.Vertragliche Bindung: Verlagsverträge haben üblicherweise lange Fristen, durch die die Rechte (z. B. für E-Books, Hörbucher, Übersetzungen) an den Verlag gebunden sind.
Netzwerk & Kontakte: Eine Veröffentlichung im Verlag kann durchaus Türen öffnen, um an Lesungen und Medienkooperationen zu kommen.Marketing & Sichtbarkeit hauptsächlich für A-Titel: Nicht alle Verlage investieren gleich stark in die Sichtbarkeit aller Titel. Mittlerweile erwarten die meisten Verlage Eigeninitiative von dir als Autor*in, um dein Buch sichtbar zu machen. Marketingbudget wird oft danach vergeben, wie die Erfolgschancen eines Titels sind, was dazu führt, dass bekanntere Titel und bekanntere Autor*innen oft ein höheres Budget und mehr Sichtbarkeit erhalten.
Prestige & Anerkennung: Die Veröffentlichung bei einem etablierten Verlag gilt auch heute noch als Qualitätsstempel und erhöht deine Glaubwürdigkeit als Autor*in.Geringe Honorare pro Verkauf: Da der Verlag für deinen Titel in Vorleistung geht, versucht er natürlich, über den Verkauf diese Vorleistung wieder auszugleichen. Das bedeutet, dass du pro verkauftem Buch nur einen kleinen Anteil des Gewinns erhältst.

Wie du bei der Verlagssuche am besten vorgehst und woran du einen seriösen Verlag erkennst, erklärt das Aktionsbündnis Faire Verlage auf ihrer Website (https://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com/verlag-finden/) ganz wunderbar.

2. Die Veröffentlichung im Selfpublishing

Das Selfpublishing hat sich in den letzten zehn Jahren immer stärker als Gegenentwurf zur klassischen Verlagsveröffentlichung etabliert. Hier behältst du als Autor*in alle Fäden in der Hand und organisierst alle Stationen bis zur Veröffentlichung selbst. Das bedeutet: Du entscheidest, welche Dienstleistungen du in Anspruch nehmen möchtest und mit welchen Dienstleister*innen du dafür zusammenarbeiten möchtest. Ebenso trägst du alle Kosten, die dafür anfallen, selbst. Wenn du ähnlich professionell wie ein Verlag agieren möchtest, kommen da gern fünf- bis zehntausend Euro auf dich zu. Zudem liegt natürlich auch der Aufwand und die Freiheit, alles zeitlich zu organisieren, Entscheidungen zu treffen und dich über die Anforderungen am Buchmarkt zu informieren, bei dir.

Welche Vor- und Nachteile das Selfpublishing mitbringt, zeige ich hier einmal im Überblick:

VorteileNachteile
Maximale Freiheit: Du entscheidest, wann und in welcher Form dein Buch erscheint. Du hast in allen kreativen Entscheidungen das letzte Wort und die Veröffentlichungsrechte bleiben bei dir — du kannst also frei über Print-, E-Book-, oder Hörbuchversion sowie Übersetzung entscheiden.Eigenverantwortung für Qualität: Fehlende oder schlechte Dienstleistungen wie Lektorat, Korrektorat, Satz oder Cover können den Erfolg mindern. Auch eine falsche Positionierung am Markt oder ein ungenauer Klappentext können hier die Wahrnehmung beeinflussen. Im Selfpublishing musst du dir das Know-How über die Branche selbst aneignen und bist verantwortlich dafür, dass dein Buch als professionell und qualitativ hochwertig wahrgenommen wird.
Flexibilität & Kontrolle: Du kannst dein Buch jederzeit überarbeiten, aktualisieren oder in neuen Formaten (z. B. als Hörbuch) veröffentlichen.Mehr Eigeninitiative für Sichtbarkeit: Da dein Titel nicht in ein größeres Programm eingebettet ist und von grundlegenden Marketingmaßnahmen eines Verlags profitiert (wie z. B. Blogger*innenkontakten, Verlagsvorschauen für den Buchhandel), braucht es deutlich mehr Eigeninitiative, damit er sichtbar wird.
Unabhängigkeit: Bei der Veröffentlichung im Verlag bist du davon abhängig, dass jemand anderes an deine Geschichte glaubt. Im Selfpublishing musst du nicht darauf warten, sondern kannst einfach loslegen.Stigma „Selfpublishing“: Auch, wenn es mittlerweile sehr viele SP-Titel gibt, die locker mit Verlagsveröffentlichungen mithalten können, haftet dem Selfpublishing leider immer noch das Vorurteil an, unprofessionell zu sein. Durch die Überflutung des Marktes mit KI-erstellten Titeln im letzten Jahr wird dies noch einmal verstärkt, sodass es in einigen Bereichen wie z. B. Kinderbuch, sehr schwer geworden ist, als Selfpublisher*in ernst genommen zu werden.
Höhere Honorare pro Verkauf: Auch, wenn immer noch ein gewisser Anteil der Einnahmen am Verkauf an Vertriebsdienstleister*innen und den Buchhandel bzw. Zwischenbuchhandel geht, sind im Selbpublishing deine Honorare pro verkauftem Buch höher als im Verlag.Finanzielles Risiko: Für eine Veröffentlichung im Selfpublishing musst du selbst in Vorleistung gehen. Du zahlst für Lektorat, Korrektorat, Buchdesign, Marketing und je nach Veröffentlichungsform gegebenenfalls auch für den Druck einer Auflage. Das heißt auch: Wenn sich der Titel nicht gut verkauft, bleibst du auf den Kosten sitzen.
Vertriebseinschränkungen: Gerade im stationären Buchhandel ist es immer noch schwierig, einen Selfpublishing-Titel unterzubringen. Wenn du für den Vertrieb einen Anbieter wie BoD, Tredition oder epubli hast, ist dein Buch im Buchhandel bestellbar. Aber damit es ausliegt, braucht es auch hier viel Eigeninitiative und offene Buchhändler*innen.

3. Verlag und Selfpublishing im Vergleich

Du siehst, jede Veröffentlichungsform hat ihre Vorteile, aber eben auch Aspekte, die hinderlich oder erschwerend sein können. Im Folgenden stelle ich beide nochmal gegenüber, damit du auf einen Blick sehen kannst, was dich im Verlag und im Selfpublishing erwartet.

VerlagSelfpublishing
Finanzielles RisikoKein Risiko für dich, der Verlag trägt alle KostenDu trägst alle Kosten (Lektorat, Cover, Marketing, ISBN etc.)
VorschussOft möglich, für Einsteiger*innen oft im vierstelligen Bereich, erfahrene Autor*innen erhalten auch höhere VorschüsseNein, du verdienst erst nach dem Verkauf
Honorar pro Buch5–30 % vom Nettoverkaufspreis (je nach Format und Vertrag)Bis zu 70 % (E-Book) oder 40–60 % (Print, je nach Plattform)
SichtbarkeitDurch Sichtbarkeit und Netzwerk des Verlags höher (z. B. Verlagsvorschau, Auslage in Buchhandlungen, Bestellbarkeit für Biblitoheken), ein gewisses Marketingbudget kann oft eingefordert werden, allerdings setzen Verlage hier zunehmend auf Eigeninitiative der Autor*innenStark abhängig von deiner Eigeninitiative als Autor*in. Es ist möglich, eine hohe Sichtbarkeit, insb. online zu erreichen, allerdings braucht es dafür Zeit, Energie und Know-How. Dazu kommen gewisse Hürden wie die Stigmatisierung von SP-Titeln.
Kreative FreiheitEingeschränkt, der Verlag hat bei Titel, Cover, Lektorat, Marketing das letzte WortVollständig, du bestimmst alles selbst
Zeit bis VeröffentlichungDie Bewerbungsphase kann mehrere Jahre dauern. Bei einer Aufnahme in einem Verlag dauert es dann nochmal ca. 1-3 Jahre bis zur Veröffentlichung.Bei einem Debüttitel, für den du die Veröffentlichungsinfrastruktur (Dienstleister, Vertrieb, Community, Sichtbarkeit) noch aufbauen musst, kannst du mit mind. 9 Monaten bis 1 Jahr rechnen. Wenn du schon einige Bücher im SP veröffentlicht hast, können auch 4-6 Monate genügen.
VertriebBreit (Buchhandlungen, Online-Shops, Bibliotheken, teilweise auch internationale Märkte)Begrenzt (Online-Plattformen, je nach Vertriebsanbieter auch Bestellbarkeit im stationären Buchhandel, aber oft keine Auslage im Buchhandel ohne Eigeninitiative, nur selten Verfügbarkeit in Bibliotheken und Vertrieb in internationalen Märkten)
MarketingTeilweise vom Verlag übernommen (je nach Vertrag und Erfolgsaussichten), Verlage setzen aber zunehmend Eigeninitiative der Autor*innen vorausVollständig in deiner Verantwortung (oder mit Unterstützung durch kostenpflichtige Dienstleister)
QualitätssicherungProfessionelles Lektorat, Korrektorat, Coverdesign und Satz durch den Verlag (der Know-How zu Zielgruppe und Positionierung mitbringt)Muss selbst organisiert und bezahlt werden
RechteOft langfristig an Verlag gebunden (z. B. für Übersetzungen, Hörbücher), dafür Verlagskontakte zur Vermarktung der Rechte vorhandenDu behältst alle Rechte und kannst sie selbst vermarkten. Allerdings musst du dann auch selbst die Kontakte dafür herstellen und ggf. das Stigma des SP überwinden.
FlexibilitätGering (Vertragsbindungen, lange Planungszyklen).Hoch (jederzeit Änderungen, Neuauflagen, zusätzliche Formate möglich).
Netzwerk & KontakteZugang zu Verlagskontakten (Lesungen, Messen, Medien, Lizensierung), aber Aufbau einer eigenen Community wird hier zunehmend wichtigEigenes Netzwerk muss aufgebaut werden (z. B. über Social Media, Blogger*innen, Kontakte zu Buchhandlungen, Presse, Veranstalter*innen, Kolleg*innen).

4. Welcher Weg passt zu dir?

Am Ende gibt es keinen besseren oder schlechteren Weg der Veröffentlichung. Es kommt immer darauf an, was sich für dich richtig anfühlt und was zu deinen Bedürfnissen und Möglichkeiten passt.

Ist es dir wichtig, die volle Kontrolle über dein Buchprojekt zu behalten und ganz gezielt auswählen zu können, mit wem du arbeitest? Und hast du die finanziellen Möglichkeiten, mehrere tausend oder sogar zehntausend Euro vorschießen zu können? Hast du vielleicht schon eine Community, die dich unterstützt und eine gewisse Reichweite? Traust du dich, gezielt auf Buchhändler*innen, Veranstalter*innen, Blogger*innen, Presse etc. zuzugehen, um dein Buch zu bewerben? Dann kann das Selfpublishing der richtige Weg für dich sein.

Hast du hingegen nur eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten und/oder wünschst dir ein Team, das dich mit Fachwissen bei der Planung und Koordinierung deines Buchprojekts unterstützt? Bist du bereit, dich über einen längeren Zeitraum bei Agenturen und Verlagen zu bewerben, auf Rückmeldungen zu warten und dich auch von Absagen nicht entmutigen zu lassen? Möchtest du vom Netzwerk und Prestige eines Verlags profitieren? Dann lohnt es sich, dich bei Agenturen und Verlagen zu bewerben.

Wenn du dir beides vorstellen kannst, würde ich empfehlen, es zuerst bei Agenturen und Verlagen zu versuchen. Du kannst dir beispielsweise eine Deadline von einem Jahr setzen und dich in dieser Zeit im ersten Halbjahr bei Agenturen und im zweiten dann direkt bei Verlagen bewerben. Sollte dabei keine Zusammenarbeit zustande kommen, kannst du nach diesem Jahr immer noch die Veröffentlichung im Selfpublishing angehen.


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Annalena Rauh am Schreibtisch, lächelt in die Kamera, im Hintergrund der Arbeitsplatz mit Laptop und Pflanzen.
© Annalena Rauh, 2024