
Du schreibst deinen ersten Roman? Das sind meine Ratschläge als Lektorin
Debütautor*innen stehen oft vor denselben Herausforderungen: Wo fängt man überhaupt an? Was, wenn die Geschichte plötzlich ihren eigenen Willen hat? Und wie kriegt man die Schreibzeit im Alltag unter?
Gerade beim ersten Roman fehlt oft noch das Werkzeug, man kennt seine eigenen Prozesse noch nicht und findet erst heraus, was für einen selbst funktioniert und was nicht.
Die gute Nachricht: Du musst nicht perfekt schreiben, du musst nur anfangen. Der Rest kommt Schritt für Schritt. Solange du Spaß an deiner Geschichte hast, wird sie mit jedem bisschen Arbeit auch ein Stück besser, versprochen. Als kleine Handreichung für deinen Anfang stelle ich in diesem Blogartikel ein paar Ideen und Impulse zusammen, die dir auf diesem Weg helfen sollen.
- Sammle Ideen und schreib sie sofort auf.
- Wirf den Perfektionismus über Bord.
- Mach es dir so einfach wie möglich.
- Plane feste Schreibzeiten
- Schreibe den ersten Entwurf konsequent herunter.
- Nutze Charakterbögen.
- Lies viel und breit gefächert.
- Suche dir Schreibbuddies.
- Bleib dran und lass dich nicht verunsichern.
1. Sammle Ideen und schreib sie sofort auf.
Notizbuch, Handy, Serviette – nimm, was du gerade zur Hand hast, Hauptsache du hältst deine Ideen irgendwo fest. Wenn du eher der visuelle Typ bist, kannst du auch eine Collage aus Bildern und Videos erstellen. Ich persönlich nutze dafür gern Pinterest, aber du kannst natürlich auch Zeitungsausschnitte, Ausdrucke, Bilder etc. sammeln. Als audioaffine Person hilft dir vielleicht die Erstellung einer Playlist, deren Songs spezielle Bilder oder Szenen hervorrufen.
Später kannst du alle Einfälle in einem Dokument bündeln und sortieren, zum Beispiel in Form eines Zeitstrahls und /oder eines Charakterbogens. Das sorgt für Klarheit und verhindert, dass gute Ideen verloren gehen. Außerdem ergeben sich so manchmal Zusammenhänge, die du vorher vielleicht gar nicht auf dem Schirm hattest.
Falls zu diesem Zeitpunkt noch nicht alles zusammenpasst, ist das gar nicht schlimm. Hier geht es erst einmal nur darum, deiner Fantasie freien Lauf zu lassen und all deinen Ideen Raum zu geben.
2. Wirf den Perfektionismus über Bord.
Wenn es dich irgendwann in den Fingern juckt, endlich loszulegen, dann leg los. Auch, wenn du noch nicht alle Lücken in deinem Zeitstrahl ausgefüllt hast, wenn du noch nicht jede Eigenart deiner Hauptfigur kennst oder noch nicht genau weißt, wie die Geschichte enden soll, leg erstmal los. Denn vieles ergibt sich mit dem Schreiben. Und das Wichtigste am ersten Entwurf ist nicht, wie gut er ist, sondern, dass er existiert. Nichts, was du schreibst, muss an dieser Stelle perfekt sein – im Gegenteil: Figuren dürfen mitten im Kapitel den Namen wechseln, das Wetter und der Zeitablauf müssen noch nicht zusammenpassen und du darfst Plotholes groß wie die Schlaglöcher in der Straße vor deinem Haus lassen. Der erste Entwurf ist nur die Materialsammlung, sozusagen das Zusammensuchen der Zutaten, aus denen später ein leckerer Kuchen wird. Hab Spaß dabei.
3. Mach es dir so einfach wie möglich.
Dein Debütroman ist dein Übungsstück. Als ich damals mein Debüt geschrieben habe, wurde sogar an vielen Stellen geraten, den Debütroman nie zu veröffentlichen, sondern erst den zweiten, den man fertigstellt. Das ist natürlich Quatsch. Aber das Debüt ist wirklich dazu da, um die Grundlagen des Schreibhandwerks zu lernen und anzuwenden. Um herauszufinden, was für dich funktioniert und was nicht. Um sozusagen verschiedene Werkzeuge auszutesten und zu schauen, welche du in deinen persönlichen Werzeugkasten legen möchtest.
Also probiere es vielleicht erstmal mit einem Handlungsstrang, bevor du mit Subplots experimentierst. Nutze eine oder maximal zwei Perspektivfiguren, die du wirklich gut kennst. Schreibe in der personalen oder Ich-Perspektive. Nutze Tropes, die dir gefallen. Kurz: Versuche nicht auf Krampf, das Rad neu zu erfinden, sondern mach einfach, was dir Freude macht, worauf du Lust hast. Dein Debütroman ist immerhin das erste Buch, was du fertigschreiben möchtest. Allein das ist eine Herausforderung für sich. Es gibt also keinen Grund, dich selbst zusätzlich zu überfordern. Schaue stattdessen, wie du dir diesen Prozess so einfach und freudvoll wie möglich gestalten kannst.
4. Plane feste Schreibzeiten ein.
Regelmäßigkeit schlägt Inspiration. Wenn du dir feste Zeiten einräumst, entsteht eine Routine, und dein Roman wächst verlässlich weiter. Vielleicht kannst du vor der Arbeit eine halbe Stunde oder Stunde schreiben, vielleicht einen Vormittag am Wochenende? Trage diese Zeiträume in denen Kalender ein und nutze, wenn du magst, ein paar Tricks, um die Routine auch wirklich zu etablieren: Für manche funktioniert ein Belohnungssystem (wenn ich eine halbe Stunde am Roman arbeite, gönne ich mir einen Keks), für andere sozialer Druck (meine Freund*innen/mein*e Partner*in weiß, dass ich um diese Zeit schreibe und wird am Ende fragen, wie weit ich gekommen bin).
Achte aber darauf, dass deine Zielsetzung für dich realistisch bleibt und passe sie an, wenn du feststellst, dass andere Lebensbereiche mehr Zeit und Energie benötigen.
5. Schreibe den ersten Entwurf konsequent herunter.
Wenn dir während des Schreibens etwas auffällt, was du in den vorigen Kapiteln anpassen willst – spring nicht zurück. Schreib dir solche Gedanken nebenbei auf, kleine Notizen reichen völlig. Wenn du während des Schreibens ständig zurückgehst, landest du schnell in einem frustrierenden Kreislauf aus neu anfangen, wieder ändern, nochmal von vorn … und kommst nie am Ende an. Der erste Entwurf darf chaotisch sein. Wirklich. Deine Notizen helfen dir dann bei der Überarbeitung.
6. Nutze Charakterbögen.
Ein Charakterbogen hilft dir, deine Figuren kennenzulernen und einen Überblick über ihre Ziele, Motivationen und Entwicklung zu behalten. Er gibt dir Impulse, wenn du deine Figuren gerade erst entwickelst und zeigt später auf, wo noch Unstimmigkeiten sind. So kannst du schon vor dem Schreiben all deine Ideen zu deinen Figuren festhalten und herausfinden, wo vielleicht noch Fragen offen sind, sozusagen wo ihr euch noch besser kennenlernen könnt . Während des Schreibens kannst du ihn ergänzen und als Nachschlagewerk benutzen. Auch wichtige Entscheidungen der Figur kannst du mit dem, was du im Charakterbogen festgehalten hast, abgleichen.
7. Lies viel und breit gefächert.
Bisher haben sich alle Tipps ums Schreiben gedreht, doch ebenso wertvoll ist es, in die Rolle der Gegenseite zu schlüpfen. Lesen schärft dein Stilgefühl und erweitert dein (unterbewusstes) Verständnis für Spannungsaufbau und Genre-Konventionen.
Viel in dem Genre zu lesen, in dem du auch schreibst, hilft dir, dich in die Zielgruppe hineinzuversetzen und sie genau kennenzulernen: Was macht dir Freude beim Lesen, was frustriert dich? Welche Elemente einer Geschichte gefallen dir, auf welche könntest du verzichten?
Ebenso hilfreich ist es aber, breit gefächert zu lesen und offen für verschiedene Genre, Stile, vielleicht sogar Textformen zu sein. Lyrik kann beispielsweise gut zeigen, wie man viel Inhalt auf wenig Worte reduzieren und sprachlich dicht schreiben kann, während ein Thriller dir vielleicht Impulse zum Erzeugen von Spannung gibt.
Und ja: Lieblingsautor*innen bewusst zu imitieren ist eine völlig legitime Schreibübung.
8. Suche dir Schreibbuddies.
Austausch bringt Motivation, Feedback und Verbundenheit. Und es gibt viele verschiedene Wege, Gleichgesinnte zu finden: In Foren und Vereinen wie der Schreibnacht oder dem Bundesverband junger Autoren und Autorinnen kannst du unkompliziert andere Schreibende kennenlernen. Auch über soziale Medien wie Instagram, YouTube oder TikTok kannst du mit anderen Schreibenden in Kontakt kommen und verbunden bleiben. In einigen Städten gibt es auch Stammtische oder Schreibtreffs vor Ort.
Vielleicht genügt dir ein punktueller Austausch zu speziellen Themen, vielleicht steigern kleine oder größere Challenges wie Schreibabenteuer oder der NaNoWriMo deine Motivation. Vielleicht wünschst du dir aber auch eine kleine, enge Gruppe für gemeinsame Schreib-Sessions und den Austausch dazwischen. So oder so — es lohnt sich, dir ein kleines, feines Netzwerk aus Gleichgesinnten aufzubauen. So hast du ein Motivationsteam, das dich bei Verunsicherung und Zweifel anspornt, mögliche Testlesende, die dir wertvolles Feedback geben, Ansprechpartner*innen für Fragen und Menschen, die dir helfen, dranzubleiben und deine Erfolge mit dir feiern.
9. Bleib dran und lass dich nicht verunsichern.
Es wird Tage geben, an denen du alles hinterfragen willst. Vielleicht kommst du nicht so voran, wie du wolltest, hängst an einem Plothole oder eine Figur treibt dich in den Wahnsinn. Vielleicht spielt das Leben auch gerade einfach nicht mit und du musst die Schreibzeit streichen, während andere Autor*innen auf Social Media gerade riesige Erfolge verkünden. Glaub mir, das kennen alle, die schreiben. Wenn du Schreibbuddies hast, kannst du dich an solchen Tagen auf das weiche Polster ihrer Unterstützung verlassen. Wenn nicht, findest du aber sicherlich auch andere, für dich passende Wege, damit umzugehen. Vielleicht hast du Freund:innen, mit denen du sprechen kannst oder es hilft dir, Abstand zu nehmen, in die Natur zu gehen oder dir alle Zweifel und Sorgen einfach mal von der Seele zu schreiben.
Einen ganzen Roman zu Papier (oder Datei) zu bringen, ist ein langer Prozess und sehr viel weniger glamourös, als es oft den Anschein macht. Es braucht einen langen Atem und es ist ganz normal, dass dir zwischendurch auch mal die Puste ausgeht. Es ist okay, in solchen Momenten langsamer zu gehen oder eine Pause einzulegen. Wichtig ist nur, dass du irgendwann weitergehst. Sei es, indem du eine Playlist erstellst oder eine Collage bastelst. Indem du mit Schreibbuddies oder Freund:innen über das Projekt sprichst. Oder indem du dich schließlich allen Zweifeln zum Trotz hinsetzt und schreibst. Denn auch wenige Sätze sind ein Fortschritt. Jedes Wort, was du schreibst, bringt dich einen Schritt näher an die Zielllinie.
Zweifel gehören dazu, aber sie dürfen nicht entscheiden, ob du weiterschreibst. Du hast diese Geschichte aus einem Grund begonnen – vertrau darauf.
Mit diesen neun Tipps hast du jetzt einen ganzen Werkzeugkasten an Ideen und Anregungen, die dich auf deinem Weg zum ersten Roman begleiten können. Probiere aus, was sich für dich gut anfühlt, und was dich inspiriert, und lass weg, was nicht zu dir passt. Jede*r Autor*in arbeitet anders, und genau das macht das Schreiben so spannend. Vertraue auf deinen eigenen Prozess, bleib neugierig und hab Spaß am Entdecken deiner ganz persönlichen Schreibweise. Und vergiss nicht: Der wichtigste Schritt ist immer der erste – also fang einfach mal an und schau, wohin dich das Schreiben führt.
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Du wünschst dir eine Partnerin im Schreibprozess?
Gerne treffe ich dich, wo du gerade im Schreibprozess bist und begleite dich auf dem Weg bis zum fertigen Roman. Egal, ob du Unterstützung beim Bau des Grundgerüsts brauchst oder dir Feedback zu dieser einen Szene wünschst, gern Kapitel für Kapitel schreiben und mit Lektoratsunterstützung überarbeiten möchtest oder dir eine deiner Figuren Kopfzerbrechen bereitet – ich stehe dir dort zur Seite, wo du es brauchst. Erzähle mir in einer kurzen Nachricht von deinem Projekt oder nutze direkt das Anfrageformular, damit ich deine Projektanfrage noch zielgenauer bearbeiten kann. Ich freue mich, von dir zu hören!


