
Absätze, Szenen und Kapitel: So strukturierst du deinen Roman sinnvoll
Stell dir vor, du schreibst einen Text. Im ersten Schritt erzählst du die Geschichte einfach nur herunter, Satz für Satz. Dann hast du am Ende einen langen Fließtext. Damit ist die Geschichte zwar erstmal auf dem Papier (oder Display), allerdings ist so ein Fließtext ganz schön schwer zu erfassen. Genau hier kommen Absätze, Szenen und Kapitel ins Spiel. Wie du damit deinen Text sinnvoll unterteilst, zeige ich dir in diesem Beitrag.
- Was ist ein Absatz und wie mache ich einen Absatz?
- Welche Funktion haben Absätze? Wann mache ich einen Absatz?
- Wie nutzt man Szenen und Kapitel, um einen Roman zu strukturieren?
- Wie schreibt man Szenen? Wo fangen sie an, wo hören sie auf?
- Doch wann genau beginnt und beendet man jetzt ein Kapitel?
- Auf einen Blick: Wann setzt man Zeilenumbrüche, wann Leerzeilen, wann grenzt man Kapitel ab?
Was ist ein Absatz und wie mache ich einen Absatz?
Ein Absatz ist ein Orientierungspunkt fürs Auge. Er unterteilt deinen Text in inhaltlich zusammengehörende, sinnvolle Abschnitte, gibt deiner Szene sozusagen einen inneren Rhythmus. Einen Absatz machst du, indem du am Ende eines Satzes einen Zeilenumbruch einfügst. Der neue Satz beginnt damit auf der nächsten Zeile. Oft wird zudem ein Einzug genutzt, um den Anfang eines neuen Absatzes zu markieren. So kannst du einen großen Absatz typografisch in zwei kleinere unterteilen. Beide bilden gemeinsam aber immer noch einen großen Textkörper, eine Leerzeile gibt es zwischen ihnen nicht.
Welche Funktion haben Absätze? Wann mache ich einen Absatz?
Aus Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, einen Text in sinnvolle Abschnitte aufzuteilen. Viele, insbesondere neue Schriftsteller*innen gehen dabei nach Gefühl vor. Es gibt aber eine ganz einfache Faustregel, mit der du prüfen kannst, ob zwischen zwei Sätzen ein Absatz stehen sollte.
Die TiP-ToP-Regel:
Ti me
P lace
To pic
P erson
Sobald sich einer dieser Faktoren ändert, braucht es einen Zeilenumbruch, einen Absatz. Indem du diese Stellen in deinem Text identifizierst, kannst du den zuvor langen Fließtext bereits in einen langen, gut lesbaren Fließtext verwandeln. Schritt eins zum Aufteilen deines Fließtextes ist also geschafft.
Vor allem im Romanbereich ist es jedoch üblich, den Text noch einmal in größere Sinnabschnitte aufzuteilen: in Szenen und Kapitel.
Wie nutzt man Szenen und Kapitel, um einen Roman zu strukturieren?
Sowohl Szenen als auch Kapitel gliedern einen Roman in größere Sinnabschnitte. Bei manchen Romanen ist ein Kapitel sehr kurz und gleichzusetzen mit einer Szene, andere wiederum haben sehr lange Kapitel, die mehrere Szenen enthalten. Welche Aufteilung für deine Geschichte geeignet ist, kommt auf deren Aufbau an und ist ganz dir als Autor*in überlassen.
Wie schreibt man Szenen? Wo fangen sie an, wo hören sie auf?
Stell dir Szenen wie Fenster vor, durch die du deine Leser*innen auf die Geschichte blicken lässt. Deine Leser*innen sehen durch sie nie den ganzen Raum dahinter, die ganze Einrichtung, die ganze Geschichte. Aber die Blickwinkel, die du deinen Leser*innen durch Szenen eröffnest, bestimmen, welche Teile der Geschichte sie als wichtig wahrnehmen und wie sie diese Teile in ihrer Wahrnehmung zu einem Ganzen zusammenfügen. Genauso wichtig wie die Teile, die du auf diese Art zeigst, sind die Teile, die du nicht zeigst, die dunklen Ecken, die Lücken, das, was sich außerhalb des Blickfelds abspielt.
Im Vergleich zu Kapiteln, die oft einen längeren Zeitraum und verschiedene Orte umspannen, beschränken sich Szenen auf einen kurzen Zeitraum, manchmal nur auf einige Minuten oder Stunden, und einen einzigen Schauplatz.
Eine Szene zeigt immer einen mehr oder weniger kurzen, konkreten Schlüsselmoment innerhalb der Geschichte. Sie hat einen festen Start- und Endzeitpunkt und einen zentralen Konflikt bzw. ein Ziel. Manchmal besteht dieses darin, eine Figur vorzustellen oder zu zeigen, inwiefern zwei Figuren in Konflikt miteinander stehen. Manchmal zeigt die Szene ein Schlüsselerlebnis, einen bestimmten Entwicklungsschritt oder -rückschritt. Jede Szene erzählt sozusagen eine kleine Geschichte für sich.
Eine Szene endet dann, wenn sich einer der folgenden Faktoren ändert:
- Es gibt einen Ortswechsel, der nicht näher beschrieben wird. (Die Figuren befinden sich im Haus und spielen Spiele, im nächsten Satz stehen sie im Garten und rufen nach dem Hund.)
- Es gibt einen Zeitsprung. (Zwischen Spiel und Gang in den Garten liegen einige Stunden.)
- Der zentrale Konflikt wechselt, das Thema wechselt. (Während des Spiels wird die Familiendynamik eingeführt, in der folgenden Szene steht jedoch die gemeinsame Sorge um den verschwundenen Hund im Vordergrund.)
- Die Erzählperspektive wechselt. (Die erste Szene im Haus wird von der Schwester erzählt, die zweite im Garten vom Bruder.)
Wie du bereits im Beispiel erkennen kannst, ereignen sich oft gleich mehrere dieser Faktoren zugleich. Auf ein Szenenende folgt immer eine Leerzeile, die die Szene von der nächsten Szene typografisch abgrenzt. Manche Autor*innen heben diese Grenze auch durch grafische Elemente wie Sternchen hervor.
Doch wann genau beginnt und beendet man jetzt ein Kapitel?
Im Vergleich zur Szene kümmert sich ein Kapitel um die Erzählstruktur und den Erzählrhythmus, also darum, wie das, was passiert, aufgeteilt wird. Ein Kapitel fasst üblicherweise mehrere Szenen zu einer größeren Sinneinheit zusammen.
Wenn wir uns Szenen als Fenster in die Geschichte vorstellen, sind die Kapitel die Häuser und Straßenzüge, durch die die Leser*innen im Laufe der Geschichte wandeln. Sie geben an, durch wie viele Fenster die Lesenden in einen Raum oder ein Haus blicken. Können Lesende einen einzigen Raum, einen Teil der Geschichte aus verschiedenen Perspektiven betrachten? Durch bodentiefe Fenster sogar das Gefühl bekommen, selbst Teil im Haus zu stehen, Teil der Geschichte zu sein? Oder müssen sie sich auf die Zehenspitzen stellen, Blicke durch viele winzige Fenster erhaschen und sich die Räume und Geschichten dahinter eher vorstellen als gezeigt bekommen? Je nachdem, wann und wo du Kapitelanfänge und -enden setzt, gibst du deinen Leser*innen die Information, welche Szenen wie zusammengehören und dass oder wie sie zusammen verstanden werden sollen.
Ein Kapitel kann beispielsweise mehrere Szenen an einem Handlungsort zusammenfassen oder – wie beispielsweise bei Familiensagas – mehrere Szenen eines bestimmten Jahres oder einer Generation. Genauso sollten größere Entwicklungs- oder Wendepunkte in der Geschichte mit einem Kapitelwechsel zusammenfallen.
Wichtig zu beachten ist, dass eine Szene am Kapitelende nicht immer komplett auserzählt werden muss. Sie darf auch mit einem Cliffhanger oder einer Andeutung enden. Das macht neugierig und sorgt dafür, dass Leser*innen weiterblättern.
Es lohnt sich also, genauer über Szenen- und Kapitelgrenzen nachzudenken, da du dort gut Spannung kreieren kannst.
Auf einen Blick: Wann macht man Zeilenumbrüche, wann Leerzeilen, und wie teilt man einen Roman in Kapitel ein?
Zeilenumbruch: Um den Text in die kleinste Sinneinheit, den Absatz zu gliedern. Nach der TiP-ToP-Regel tust du das immer, wenn sich Zeit, Ort, Thema oder Person innerhalb einer Szene ändern. Hier nutzt du einen Zeilenumbruch, ggf. rückst du den Anfang des neuen Absatzes ein.
Leerzeilen: Um zwei Szenen voneinander abzugrenzen. Eine Szene fasst alle Absätze zusammen, die innerhalb eines kurzen Zeitraums (Minuten bis Stunden) an einem einzigen Schauplatz passieren.
Kapitel: Verschiedene Szenen an einem Handlungsort, innerhalb einer größeren Zeitspanne (Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte) oder innerhalb eines bestimmten Entwicklungsschrittes der Figur werden zu Kapiteln zusammengefasst. Wenn der Spannungsbogen einen Wendepunkt erreicht oder die Figuren einen neuen Entwicklungsschritt anfangen, folgt ein Kapitelwechsel.
Eigentlich gar nicht so schwer, oder? Du wirst sehen, je öfter du dich am Setzen von Absätzen und Umbrüchen übst, desto bewusster wirst du auch den Aufbau und Erzählrhythmus deiner Geschichte beleuchten. So verbesserst du nicht nur formale Aspekte deines Manuskripts, sondern kannst auch inhaltlich alles aus der Geschichte herauskitzeln.
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