
Zeichensetzung in Dialogen: So setzt du Anführungszeichen, Komma, Absatz & Co. richtig
Dialoge machen Geschichten lebendig. Sie lassen Gefühle sichtbar werden, geben Figuren eine einzigartige Stimme und treiben den Plot voran. Was einen guten Dialog ausmacht und wie du ihn schreibst, verrate ich in diesem Blogartikel.
Neben dem Inhalt gibt es einen zweiten Aspekt, der Autor*innen regelmäßig verunsichert: die Zeichensetzung im Dialog. Erfahrungsgemäß ist die Zeichensetzung, gerade im Dialog etwas, was allen angehenden Autor*innen Übung und ein wenig Hirnschmalz abverlangt. Wann schreibt man schließlich sonst im Alltag einen Dialog?
Wenn du dich also auch regelmäßig fragst: Welche Anführungszeichen soll ich nutzen? Muss der Punkt vor oder hinter die Ausführungszeichen? Und was ist mit dem Komma vor dem Begleitsatz? – dann ist dieser Blogartikel für dich. Gemeinsam schauen wir uns verschienene Satzkonstruktionen im Dialog an und klären, wann und wo Kommas, Punkte und Anführungszeichen gesetzt werden müssen.
Du hast eine konkrete Frage? Spring direkt zu dem Thema, das dir unter den Nägeln brennt:
- Die Sache mit den Anführungszeichen
- Komma oder Punkt vor dem Begleitsatz?
- Kein Begleitsatz da?
- Vorangestellte Begleitsätze
- Groß- oder Kleinschreibung nach dem Anführungszeichen?
- Dialog unterbrechen – so geht’s
- Gedankenstriche und Ellipsen
- Absätze im Dialog korrekt setzen
- Bonus: Welche Verben funktionieren für einen Begleitsatz im Dialog?
Du willst lieber die volle Dröhnung? Kein Problem, dann lass uns von vorn beginnen.
1. Die Sache mit den Anführungszeichen
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Dialoge stehen in Anführungszeichen. Im Deutschen sind zwei Varianten korrekt und gebräuchlich – das typografische Paar aus unten öffnendem („) und oben schließendem (“) Anführungszeichen und die sogenannten Guillemets (»«):
„Magst du die typografischen Anführungszeichen?“, fragte sie.
»Nein, lieber die Guillemets.«
Beide Varianten sind im Deutschen richtig. Die Wahl ist oft Geschmackssache – oder abhängig vom Verlag, dem Stil deines Textes oder der Region. In der Schweiz und in Frankreich siehst du Guillemets sehr häufig. Auch in Deutschland werden sie immer beliebter, weil sie das Schriftbild aufgeräumt wirken lassen.
Wichtig ist: Wenn du dich für eine Form entscheidest, bleib dabei. Programme wie Word, Papyrus oder Scrivener bieten beide Stile an, meist unter „Autoformat“ oder „Typografische Anführungszeichen“, sodass du ganz einfach alle Anführungszeichen finden und gegebenenfalls vereinheitlichen kannst. Für die Beispiele in diesem Artikel nutze ich die Guillemets.
2. Komma oder Punkt vor dem Begleitsatz?
Jetzt wird’s interessant! Der Begleitsatz (also „sagte er“, „murmelte sie“, „antwortete Tom“ usw.) wird Inquit genannt. Er gehört direkt an den Dialog. Dazu wird der Satzpunkt am Ende des Dialogs gestrichen und stattdessen der Inquit mit einem Komma nach den Ausführungszeichen angeschlossen. Das sieht dann beispielsweise so aus:
»Wenn ein Inquit folgt, braucht es keinen Satzpunkt in der Rede«, erklärte Tom.
Warum kein Satzpunkt? Weil der Satz weitergeht – der Begleitsatz gehört grammatisch dazu und wird durch das Komma angeschlossen. Auch bei Ausrufe- oder Fragezeichen braucht es das Komma:
»Hör auf damit!«, rief sie.
»Was meinst du?«, fragte er.
Im Vergleich zum Satzpunkt bleibt das Ausrufe- oder Fragezeichen am Ende des Dialogs, denn es ist wichtig, um die Bedeutung des Satzes hervorzuheben und ihn als Frage oder Ausruf zu markieren.
3. Kein Begleitsatz da?
Wenn der Satz nach dem Dialog kein Begleitsatz ist, sondern ein neuer Erzählsatz, gehört ein Punkt (oder das passende Satzzeichen) ans Ende. Einen neuen Satz erkennst du daran, dass das erste Wort kein Verb ist. Beispielsweise sieht das dann so aus:
»Ich glaube, ich verstehe es.« Tom nickte zufrieden.
Mariella klatschte in die Hände. »Das ist ja toll!«
Der nächste Satz beginnt groß, weil es ein neuer, eigenständiger Satz ist.
4. Vorangestellte Begleitsätze
In der Schule hast du sicherlich auch einmal von vorangestellten Begleitsätzen gehört. Hierbei wird zuerst darüber informiert, wer etwas sagt, bevor der eigentliche Dialog folgt.
Mariella gab zu bedenken: »Solche Redebegleitsätze sind in der modernen Literatur eher unüblich.«
Der Begleitsatz muss dazu mit einem passenden Rede-Verb enden (z. B. sagte, fragte, erzählte, usw.). An dieses wird mithilfe eines Doppelpunktes der Dialog angeschlossen, der wiederum mit einem eigenen Satzzeichen endet.
Allerdings ist diese Dialogform in der modernen Unterhaltungsliteratur eher unüblich und tritt am ehesten in Kinderbüchern auf. In Romanen wird sie oft durch eine Kombination aus Erzählsatz und Dialog ersetzt, beispielsweise so:
Sie deutete auf ihren Roman. »Stattdessen wird oft eine konkrete Handlung vorangestellt und der oder die Redner*in aus dem Kontext identifiziert.«
5. Groß- oder Kleinschreibung nach dem Anführungszeichen?
Hier gibt es eine ganz einfache Faustregel:
- Folgt nach dem Dialog direkt ein Rede-Verb („sagte“, „fragte“, „antwortete“ usw.), wird dieses kleingeschrieben. Es handelt sich hier um einen Begleitsatz (Inquit), der noch zum Dialog selbst gehört.
- Folgt nach dem Dialog irgendein anderes Wort, markiert dies den Anfang eines neuen Erzählsatzes. Es geht also groß weiter.
»Wenn direkt ein Verb folgt, schreibt man es klein«, meinte Tom.
»Aber falls nicht, setzt man einen Punkt und macht groß weiter.« Mariella deutete auf den Beispiel-Dialog.
6. Dialog unterbrechen – so geht’s
Manchmal willst du den Dialog unterbrechen. Das ist besonders bei langen Dialogen hilfreich. Behalte dabei im Hinterkopf, dass der Inquit immer nach dem ersten vollständigen Satz stehen sollte. Wenn erst fünf oder zehn Sätze vergehen, bis der/die Sprecher*in identifiziert wird, kann es nämlich sonst passieren, dass Leser*innen den Dialog überspringen, um schneller an die Information zu gelangen. Also lieber so teilen wie im Beispiel:
»Nach dem ersten Satz folgt der Inquit«, erklärt Tom stolz. »Er endet mit einem Punkt. Danach beginnt dann ein neuer Satz, der großgeschrieben wird.«
Beachte hier, dass im ersten Dialog-Satz der Satzpunkt wegfällt, weil der Inquit direkt mit Komma angeschlossen ist. Da der erste Satz jedoch vollständig ist, endet er nach dem Inquit mit einem Satzpunkt und der zweite Dialog-Satz beginnt neu und großgeschrieben.
Was passiert aber, wenn du einen Dialog mitten im Satz teilen möchtest?
Diese Variante ist manchmal sinnvoll, um hervorzuheben, wie der Satz gesagt wird oder eine Redepause zu betonen. Der Inquit steht dabei immer nach dem Hauptsatz (also im einfachsten Fall nach der Kombination aus Subjekt und Verb). So könnte das aussehen:
»Ich denke«, sagte Mariella langsam, »dass du langsam bereit für schwierigere Übungen bist.«
Wie du siehst, endet die erste Satzhälfte ohne Satzzeichen. Das Komma, dass normalerweise zwischen „denke“ und „dass“ stehen würde, wird durch die beiden Kommas ersetzt, die den Inquit einrahmen. Da es ein einziger Satz ist, schließt die zweite Satzhälfte direkt an den Inquit an und wird kleingeschrieben. Erst mit dem Satzpunkt am Ende des Dialogs endet der Satz.
7. Gedankenstriche und Ellipsen
Auch in Dialogen darfst du mit Stilmitteln arbeiten. Häufig verwendet werden die Auslassungspunkte (immer genau drei Punkte zusammen), die ein Zögern oder eine Unvollständigkeit markieren:
»Ich weiß nicht … vielleicht morgen?«
Ebenfalls häufig tritt der Gedankenstrich (auch Halbgeviertstrich, etwas länger als ein Bindestrich) auf. Dieser zeigt den abrupten Abbruch eines Wortes oder Satzes:
»Ich wollte dir sagen, dass—«
8. Absätze im Dialog korrekt setzen
Jetzt weißt du, wie du einzelne Dialogteile aufbaust und miteinander verbindest. Wie aber setzt man jetzt die Absätze zwischen den Dialogen? Einfach nach jedem Dialogsatz? Nach Gefühl?
Die Antwort ist simpel: Immer dann, wenn der/die Sprecher*in wechselt, braucht es einen einfachen Umbruch. Das schließt auch die Erzählsätze ein, die zwischen der wörtlichen Rede stehen. Am Ende sieht das dann beispielsweise so aus:
»Ich wollte dir sagen, dass—« Er kniff sich nachdenklich in die Nasenwurzel.
»Schon gut«, warf sie ein, bevor er die richtigen Worte fand. »Ich weiß es.« Sie trat an ihm vorbei ans Fenster. Unten auf der Straße liefen Menschen vorbei, mit Einkaufstüten und Aktentaschen, Kinderwagen und Blumensträußen.
»Es ist nur—«
»Du musst es nicht erklären. Ich verstehe schon.«
Bei Dialogen mit nur zwei Sprecher*innen werden durch diese klare Aufteilung die Inquits im Dialog sogar oft überflüssig. Denn Leser*innen wissen schon anhand der Umbrüche, wer spricht, ohne dass es ein »sie sagte« oder »er antwortete« braucht. Eine elegante Möglichkeit, um deinen Text auf das Wesentliche zu reduzieren!
Bonus: Welche Verben funktionieren für einen Begleitsatz im Dialog?
Neben den Klassikern wie „sagte“, „fragte“, „antwortete“ und „entgegnete“ gibt es in der deutschen Sprache zum Glück hundertundeins weitere tolle Verben, um auszudrücken, wie jemand etwas sagt.
Hier nur einmal ein kleiner Einblick:
äffte nach / äußerte / blaffte / bat / bedauerte / bedeutete / versicherte / befahl / begrüßte / beharrte / behauptete / bekräftigte / belehrte / bellte / bemerkte / berichtete / berichtigte / beruhigte / beschwerte sich / beschwichtigte / beschwor / bestätigte / beteuerte / bettelte / bot an / brüllte / brummte / deutete an / diktierte / donnerte / dozierte / dröhnte / drohte / echote / entschied / ergänzte / erklärte / erkundigte sich / erläuterte / eröffnete / erzählte / fasste zusammen / fauchte / feixte / fiepste / flehte / flirtete / flötete / fluchte / flüsterte / folgerte / foppte / forderte auf / forschte / frotzelte / fuhr an / fuhr dazwischen / fuhr fort / gab bekannt / gestand ein / giftete / gluckste / grölte / grüßte / grunzte / gurrte / hakte nach / hauchte / hechelte / herrschte an / heulte / höhnte / insistierte / jammerte / johlte / jubelte / keifte / keuchte / klagte / kommandierte / kommentierte / konterte / korrigierte / knurrte / krächzte / krähte / krakeelte / kreischte / lamentierte / lästerte / leierte herunter / lobte / lockte / log / maulte / meinte / meckerte / mischte sich ein / moserte / motzte / murmelte / murrte / neckte / nölte / nörgelte / nuschelte / pöbelte / presste hervor / protestierte / quäkte / ratterte herunter / raunte / resümierte / rief / räumte ein / röchelte / säuselte / schimpfte / schlussfolgerte / schmetterte / schlug vor / schnitt das Wort ab / schrie er / sinnierte / soufflierte / spottete / stammelte / stieß hervor / stimmte zu / tobte / triumphierte / tönte / verabschiedete / verbesserte / verkündete / verriet / versicherte / versprach / verteidigte sich / warf ein / wehrte ab / wetterte / wiederholte / wimmerte / wisperte / zählte auf / zeterte / zischte / zitierte
Aber: Die Mischung macht`s. Versuche nicht, auf Krampf so viele verschiedene Rede-Verben wie möglich in deinen Dialog einzubauen, sondern frage dich, was wirklich wichtig ist.
Wenn der Fokus auf der Aussage selbst liegen oder nur kurz den/die Sprecher*in markieren soll, ist es meist empfehlenswert, eins der Standard-Verben zu nutzen, da diese oft „überlesen“ werden und die Aufmerksamkeit auf dem Dialog selbst lassen. Möchtest du allerdings hervorheben, wie jemand etwas sagt, lohnt es sich, für den Begleitsatz ein möglichst treffendes Verb zu nutzen. Stell dir diese zweite Kategorie Verben wie das Salz in der Suppe vor: Zu wenig davon und die Geschichte schmeckt fade, aber zu viel und sie wird ungenießbar.
Übung macht den Meister!
Die Zeichensetzung bei Dialogen klingt erstmal nach viel Regelwerk – aber je öfter du damit arbeitest, desto natürlicher wird es. Nimm dir einfach mal einen Dialog vor, den du geschrieben hast und überarbeite ihn anhand der Regeln. Du wirst sehen, mit der Zeit setzt du sie ganz automatisch richtig ein. Und denk dran: Beim Schreiben darf der Flow im Vordergrund stehen – polieren kannst du später immer.
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