
Drei-, Fünf- und Sieben-Akte-Struktur: So plottest du deinen Roman mit einer klaren Gliederung
Einen Roman zu plotten, ist eine Herausforderung – vor allem, wenn der Plot eine konsistente Spannungskurve und eine nachvollziehbare Charakterentwicklung beinhalten soll. Von der ersten Idee bis zum letzten Kapitel ist es leicht, sich in der Handlung zu verzetteln oder den roten Faden aus den Augen zu verlieren.
Vor Kurzem habe ich deshalb bereits die Schneeflockenmethode vorgestellt, mit der du aus einer ganz vagen Idee eine komplexe Romanhandlung und authentische Charaktere gestalten kannst. Heute widme ich mich der Grundstruktur aller westlichen Geschichten – der Akte-Struktur.
In diesem Blogartikel erfährst du, wie spannende Geschichten aufgebaut sind, worin sich die drei Romanstrukturen unterscheiden und wie du mithilfe dieser Strukturen deinen Roman planen oder nach dem Schreiben prüfen kannst.
- Auf einen Blick: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben die drei Strukturen?
- Für wen eignet sich eine Akte-Struktur?
- Was ist die Drei-Akte-Struktur?
- Die Fünf-Akte-Struktur: Mehr Tiefe für deinen Roman
- Die Sieben-Akte-Struktur: Perfekt für komplexe Geschichten
Auf einen Blick: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben die drei Strukturen?
Der Grundgedanke, eine Geschichte in Akte zu strukturieren, kommt dir (wenn du gut aufgepasst hast), sicher schon aus Schulzeiten bekannt vor. Antike Dramen, Theaterstücke, Filme – so ziemlich alle Geschichten, die wir uns in der westlichen Welt erzählen, fußen auf einer Akt-Struktur. (Streng genommen bauen sogar die anderen Plot-Methoden, die ich auf dem Blog vorstelle, auf dieser Akt-Struktur auf, aber die Herangehensweisen und die Komplexität unterscheiden sich.)
Alle drei Strukturen teilen das Ziel, einen klaren Spannungsbogen zu schaffen, und bauen auf denselben Grundprinzipien auf. Der Unterschied liegt in der Komplexität:
| Drei-Akte-Struktur | Fünf-Akte-Struktur | Sieben-Akte-Struktur | |
|---|---|---|---|
| Bestandteile | Besteht aus Anfang, Mitte, Ende | Erweitert die drei Punkte von zuvor um Höhepunkt und Fall | Zieht die Wichtigkeit der Wendepunkte in Betracht und untersucht diese detailliert |
| Fokus | Ziel und Konflikt der Hauptfigur werden untersucht | Motivation der Hauptfigur wird untersucht | Entwicklung der Hauptfigur wird untersucht |
| Kernfragen | Wie sieht das Leben der Hauptfigur am Anfang aus? Wie hat sich das Leben der Hauptfigur am Ende der Geschichte geändert? Warum/Worin unterscheidet sich das Ende vom Anfang? | Warum verlässt die Hauptfigur ihre Komfortzone? Warum kämpft die Figur trotz Rückschlägen weiter? | Was hat die Hauptfigur zu verlieren, wenn sie an den Wendepunkten nicht handelt? Was lernt die Hauptfigur aus dem ersten Wendepunkt, wie beeinflusst das ihr Verhalten am zweiten Wendepunkt, d.h. warum ändert die Figur ihr Verhalten von reaktiv zu aktiv? |
Für wen eignet sich eine Akte-Struktur?
Die Drei-, Fünf- oder Sieben-Akte-Struktur ist die richtige Plotmethode für dich, wenn du …
- … zuerst nur eine einfache Grundstruktur für deine Geschichte entwickeln willst, die du während des Schreibens vertiefen kannst.
- … du bereits ein Grundgerüst für deine Geschichte hast, aber die Motivation und Entwicklung deiner Haupfigur genauer untersuchen willst.
- … du nur einen kurzen und schnellen Handlungsabriss skizzieren möchtest, aber die Details der Geschichte lieber während des Schreiben entdeckst.
- … du nach dem Schreiben des ersten Entwurfs den Aufbau und den Spannungsbogen deiner Geschichte überprüfen willst.
- … du deine Geschichte für die Exposé-Erstellung auf ihre Kernelemente herunterbrechen willst.
Das klingt nach dir? Wenn du jetzt Lust bekommen hast, die Methode auszuprobieren, schnapp dir Papier und einen Stift oder öffne ein leeres Dokument in deinem Schreibprogramm und lass uns loslegen. Zuerst ganz simpel mit der Drei-Akte-Struktur.
Was ist die Drei-Akte-Struktur?
Die Drei-Akte-Struktur ist die einfachste und universellste Methode, um Geschichten zu erzählen. Sie ist besonders nützlich, wenn du gerade erst mit dem Plotten deines Romans beginnst und eine klare Grundlage für deine Story suchst.
Jeder Plot lässt sich in drei Teile untergliedern – den Anfang, den Hauptteil und das Ende. Je unterschiedlicher Anfang und Ende sind, desto mehr Potenzial gibt es, um im Hauptteil eine Entwicklung darzustellen. Oft genutzte Kontraste sind dabei z.B. von Krieg zu Frieden, von kaputter Beziehung zu glücklicher Beziehung, von Einsamkeit zu Found Family. Eine Geschichte lebt von der Entwicklung, die zwischen diesen beiden Punkten – im Hauptteil – stattfindet.
Mit diesem Hintergrundwissen kannst du nun die drei Akte deiner Geschichte notieren:
- Erster Akt: Einführung in die Welt, die Figuren und den Konflikt. Die Hauptfigur steht vor einer Herausforderung, die sie aus seiner Komfortzone hervorzwingt (der sogenannte „Aufhänger“).
- Zweiter Akt: Hier entwickelt sich die Handlung. Die Hauptfigur muss sich mit der Herauforderung aus dem ersten Akt auseinandersetzen. Dabei lernt sie Verbündete und Feind*innen kennen. Sie macht Fortschritte, erleidet aber auch Rückschläge. Dies ist der längste Teil der Geschichte, hier darfst du also ruhig mehr notieren.
- Dritter Akt: Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt und die Herausforderung oder der Konflikt aus dem ersten Akt wird gelöst. Die Hauptfigur hat sich entwickelt und eine neue Normalität ist entstanden.
Wenn du dir zu jedem dieser drei Punkte einen oder mehrere Sätze notiert hast, bist du auch schon fertig. Du hast deine Geschichte mithilfe der Drei-Akte-Struktur geplottet.
Wenn du ein*e Pantser*in bist, genügt dir dieser grobe Entwurf vielleicht schon zum Schreiben. Wenn du dir allerdings etwas mehr Tiefe wünschst, kannst du deine drei Akte im nächsten Schritt noch ergänzen.
Die Fünf-Akte-Struktur: Mehr Tiefe für deinen Roman
Die Fünf-Akte-Struktur fügt unserer gerade entworfenen Drei-Akte-Struktur nun zwei zusätzliche Akte hinzu. Warum? Weil in der Drei-Akte-Struktur eine Frage unbeantwortet bleibt: Wie kommen die Übergänge zwischen den Akten zustande? Warum verlässt die Hauptfigur ihre Komfortzone? Warum kämpft die Figur trotz Rückschlägen weiter?
Die Fünf-Akte-Struktur gibt diesen Übergängen – den Wendepunkten – einen eigenen Raum und hilft dir so, deine Handlung schlüssiger aufzubauen. Denn: So wie Menschen gern in ihrer Komfortzone bleiben, wird auch keine Romanfigur freiwillig einen unbekannten, steinigen Weg einschlagen oder trotz Rückschlägen weiterhin alles geben, wenn es keinen guten Grund dafür gibt.
Im Schritt zuvor hast du bereits das Ziel (Wo/wie soll die Geschichte enden?) und den Konflikt (Warum unterscheidet sich das Ende vom Anfang? Warum ist das Ende nicht bereits am Anfang Realität?) entworfen. Das Ziel ist wichtig, um der Geschichte einen klaren roten Faden zu geben, der Konflikt bringt die Spannung mit, die deine Leser*innen bei der Stange hält. In diesem Schritt geht es nun darum, die Motivation deiner Hauptfigur zu entwerfen. Die brauchst du nämlich, um deine Geschichte schlüssig zu machen.
So entstehen aus den ursprünglichen drei Akten nun fünf:
- Die Exposition: Die Hauptfiguren, der Ort und der Grundkonflikt werden vorgestellt. Du zeigst den Alltag der Hauptfigur und die Ausgangssituation.
- Steigende Handlung (Komplikation): Ein unerwartetes Ereignis drängt die Hauptfigur aus dem Alltag, zwingt sie, die Komfortzone zu verlassen. Durch das Ereignis ist die Situation für die Hauptfigur so unangenehm, dass diese handeln muss. Sie entscheidet sich, einen neuen Weg einzuschlagen.
- Höhepunkt (Peripetie): Die Hauptfigur kämpft für das Ziel. Sie ist sich des Erfolgs bereits sicher, doch all ihre Bemühungen reichen am Ende nicht aus. Der Scheinerfolg bröckelt.
- Fallende Handlung (Retardation): Die zu Anfang angedeuteten Konflikte sind nicht gelöst und bringen die Hauptfigur in noch größere Schwierigkeiten als zu Anfang. Sie verliert nicht nur, was sie sich mühsam erkämpft hat, sondern auch etwas, dessen sie sich sicher war. Die einzige Möglichkeit, heil aus dieser Situation herauszukommen, verlangt ein großes Opfer.
- Die Auflösung: Die Hauptfigur lernt aus ihrem vorigen Scheitern, erlangt das letzte Puzzlestück oder trifft eine finale Entscheidung. Sie schließt die Entwicklung ab und kann das anfängliche Hindernis endlich überwinden oder den Konflikt lösen. Dadurch verändert sich die Lebensrealität der Figur und eine neue Normalität entsteht.
Jetzt hast du bereits eine sehr detaillierte Outline für deinen Roman. Du kennst Ziel, Konflikt und Motivation deiner Hauptfigur und kannst eine schlüssige und spannende Geschichte schreiben. Manchen Autor*innen genügt dieser Fahrplan bereits, da er noch genug Raum lässt, um kreativ zu werden und beim Schreiben Ideen zu verwirklichen. Andere benötigen etwas mehr Struktur, bevor sie mit dem Schreiben beginnen; sie wollen genau festlegen, was als nächstes passieren muss, damit die Handlung dramaturgisch Sinn ergibt. Wenn du zur zweiteren Fraktion gehörst, kannst du mit der Sieben-Akte-Struktur noch einen Schritt weiter gehen und deinen Plot präzisieren.
Die Sieben-Akte-Struktur: Perfekt für komplexe Geschichten
Die Sieben-Akte-Struktur steht sinnbildlich irgendwo zwischen dem weißen Papier der Drei-Akte-Struktur und dem detaillierten Malen-nach-Zahlen anderer Plotmethoden wie beispielsweise der Helden-/Held*innenreise oder den Beat Sheets. Sie gibt dir genügend Anleitung, um mit deiner Geschichte ein zusammenhängendes Bild zu zeichnen, ermöglicht dir aber immer noch viel kreative Freiheit.
In den beiden Akt-Strukturen zuvor hast du über Ziel und Konflikt der Hauptfigur sowie ihre Motivation bereits langsam ein Grundgerüst für die Geschichte aufgebaut. In der Sieben-Akte-Struktur untersuchst du nun die Wendepunkte, die du im Schritt zuvor ausgearbeitet hast, noch einmal genauer. Denn obwohl sie nur mitunter nur einen kleinen Teil der Erzählzeit der Geschichte einnehmen, sind sie ausschlaggebend für die Entwicklung deiner Hauptfigur. Sie zeigen, warum sich deine Hauptfigur entwickelt und wie und sind essenziell dafür, dass die Lebensrealität deiner Figuren am Ende eine andere ist als am Anfang.
Dazu unterteilen wir die Wendepunkte aus dem Schritt zuvor noch einmal in
- Wendepunkt: Ein ausschlaggebendes Ereignis ändert den Alltag/die Lebensrealität der Hauptfigur grundlegend
- Pinch: Die Hauptfigur kann das Ereignis nicht einfach so hinnehmen, sondern gerät in eine Zwickmühle, die sie zwingt, zu handeln.
Beachte hierbei unbedingt, dass sich der erste Wendepunkt und Pinch stark vom zweiten unterscheiden: Während die Figur im ersten Pinch meist reaktiv handelt (d.h. die Figur reagiert auf ihr Schicksal, nimmt es aber noch nicht aktiv in die Hand, z.B. Flucht/Ausweichen statt Kampf), muss die Hauptfigur im zweiten Pinch wirklich aktiv werden. Sie muss verstehen, was bisher schief gelaufen ist und warum und muss dann etwas unternehmen, um sich aus ihrer Zwangslage zu befreien, also aktiv für ihre Ziele kämpfen.
Somit ergibt sich folgende Struktur:
- Aufhänger: Die Hauptfigur und deren Lebensrealität werden vorgestellt. Der Konflikt wird eingeführt, d.h. Leser*innen erfahren, warum sich die Hauptfigur in ihrer Lebensrealität nicht wohlfühlt, welchen Schwierigkeiten sie darin ausgesetzt ist.
- Erster Wendepunkt: Ein unerwartetes Ereignis drängt die Hauptfigur aus ihrem Alltag. Sie ist überfordert und weiß nicht, was zu tun ist, gg.f scheitert sie sogar und gerät dadurch in den ersten Pinch.
- Erster Pinch: Das unerwartete Ereignis spitzt die zuvor schwierige Ausgangslage zu oder verändert sie so, dass die Hauptfigur in eine Zwickmühle gerät. Sie muss handeln und entscheiden sich, zu reagieren, z.B. zu fliehen und einen Plan zu schmieden. (Ob der Zugzwang hier groß genug ist, kannst du mit folgender Frage prüfen: Was passiert, wenn die Figur nicht handelt? Was verliert sie?)
- Höhepunkt (Peripetie): Die Hauptfigur kämpft für das Ziel. Sie ist sich des Erfolgs bereits sicher, doch all ihre Bemühungen reichen am Ende nicht aus. Der Scheinerfolg bröckelt.
- Zweiter Pinch: Die Hauptfigur konnte den zu Anfang eingeführten Konflikt nicht lösen/überwinden. Stattdessen haben ihre Bemühungen sie nun noch stärker in Bedrängnis gebracht. Die Hauptfigur hat noch mehr zu verlieren als beim ersten Pinch; es steht nicht mehr nur das auf dem Spiel, was sie sich bis hierhin erkämpft hat, sondern auch das, dessen sie sich sicher war.
- Zweiter Wendepunkt: Die Haupfigur selbst setzt ein ausschlaggebendes Ereignis in Bewegung, indem sie alles aufs Spiel setzt, um ihr Ziel zu erreichen. Sie lernt aus ihrem vorigen Scheitern, erlangt das letzte Puzzlestück oder trifft eine finale Entscheidung.
- Die Auflösung: Die Hauptfigur schließt ihre Entwicklung ab und kann das anfängliche Hindernis endlich überwinden oder den Konflikt lösen. Dadurch verändert sich die Lebensrealität der Figur und eine neue Normalität entsteht.
Wenn du bis hierhin fleißig mitgeplottet hast, hast du jetzt bereits eine umfassende Ansammlung an Text oder Stichpunkten vor dir. Vielleicht hast du dir sogar schon einige Ideen für Szenen, Nebencharaktere oder offene Fragen für die Recherche notiert. Und genau dort kannst du jetzt ansetzen. Vielleicht möchtest du dich in die Recherche vertiefen oder eine detailliertere Planung der Charaktere mithilfe eines Charakterbogens anlegen, vielleicht sprühst du aber auch schon vor lauter Ideen und möchtest endlich mit dem Schreiben loslegen. Probiere das aus, was sich für dich richtig anfühlt. Viel Erfolg beim Schreiben deiner Geschichte!
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Plotholes entdeckt?
Egal, ob du Unterstützung beim Füllen dieses einen nervigen Plotholes brauchst oder dir einfach eine zweite Meinung zu deinem Konzept wünschst, ich unterstütze dich gern. In einem einstündigen Zoom-Gespräch können wir deinen Plot durchgehen und gemeinsam Ideen und Lösungen brainstormen. Auf Anfrage erstelle ich auch gern ein Plot-Gutachten. Erzähle mir in einer kurzen Nachricht von deinem Projekt und welche Art von Unterstützung du dir wünschst. Ich freue mich, von dir zu hören!


