
Pantsen vs. Plotten – Vorteile, Nachteile und meine Erfahrungen mit beiden Methoden
Du hast eine tolle Idee für eine Geschichte – und jetzt?
Um aus deiner Idee einen Roman zu machen, brauchst du vor allem eines: einen Plot. Den kannst du ganz grob gesagt über zwei verschiedene Ansätze entwickeln: Das Pantsen und das Plotten. Doch was bedeuten diese Begriffe eigentlich genau? Und welche Methode eignet sich am besten für dich?
In diesem Artikel erfährst du, was es mit diesen beiden Herangehensweisen auf sich hat, welche Vor- und Nachteile sie bieten und wie du sie nutzen kannst, um deine Geschichte voranzubringen.
- Was ist ein Plot?
- Was bedeutet es, einen Roman zu plotten?
- Welche Vorteile hat das Plotten?
- Vier gute Gründe, um deinen Roman zu plotten
- Die Nachteile des Plottens
- Was bedeutet Pantsen?
- Welche Vorteile hat das Pantsen?
- Drei gute Gründe, das Pantsen auszuprobieren
- Die Risiken des Pantsens
- Welche Methode ist die richtige für dich?
- Eine Mischung aus beiden Welten?
Ein Plot – was soll das überhaupt sein?
Ganz grob gesagt, fasst der Plot alles zusammen, was in deiner Geschichte passiert. Je nachdem, wie detailliert du ihn ausarbeitest, enthält er nur die wichtigsten Elemente wie Ausgangspunkt (Exposition), Höhepunkt und Auflösung oder hat zu jedem Kapitel und jeder Szene detaillierte Informationen. Jede Geschichte hat einen solchen Plot, ganz unabhängig davon, ob du ihn nun vorher planst oder einfach drauflosschreibst.
Und was bedeutet es, einen Roman zu plotten?
Beim Plotten planst du den Verlauf deiner Geschichte im Voraus, also bevor du mit dem Schreiben überhaupt beginnst. Das heißt, du entwirfst die komplette Handlung von Anfang bis Ende, sammelst Informationen zu deinen Charakteren, zum Setting und zu wichtigen Hintergründen. Daraus erstellst du ein (mehr oder weniger) detailliertes Gerüst für den Roman, das alle wichtigen Ereignisse, Wendepunkte und Figurenentwicklungen umfasst.
Es gibt verschiedene Erzählstrukturen und Methoden, nach denen man diesen Plot entwerfen kann. Zu den bekanntesten gehören:
- die Schneeflockenmethode
- die Drei-, Fünf- oder Sieben-Akte-Struktur
- sowie die Helden- und die Heldinnenreise
Welche Vorteile hat das Plotten?
Ganz einfach – es erleichtert dir später die Schreibarbeit. Wenn du eine klare Vorstellung davon hast, welche Geschichte du erzählen willst, wird es dir leichter fallen, sie später wirklich zu erzählen. Du hast ein Ziel vor Augen, auf das du hinarbeiten kannst und vermeidest dadurch, hängenzubleiben. Dein Plot ist dein Kompass, wenn du dich beim Schreiben verirrst. Und glaube mir, das wird passieren. Außerdem sparst du dir beim Schreiben später die Zeit, darüber nachzudenken, wie es weitergeht. Die ganze Denkarbeit ist dann bereits geleistet und du kannst dich einzig und allein darauf konzentrieren, deine Geschichte zu erzählen.
Vier gute Gründe, um deinen Roman zu plotten
1. Klare Struktur und Überblick
Wenn du deinen Roman plottest, hast du von Anfang an einen klaren Fahrplan. Du weißt, wohin die Geschichte führt, welche Wendungen sie nimmt und wie die Charaktere sich entwickeln. Das hilft dir dabei, den roten Faden nicht zu verlieren und logische Brüche in der Handlung zu vermeiden.
Bei manchen Genres ist es sogar unerlässlich, vor dem Schreiben einen Plot zu entwerfen. Stell dir zum Beispiel vor, du arbeitest an einem Krimi, aber weißt gar nicht, wie der Mord geschehen ist und wer der*die Täter*in ist. Das Risiko, dass du dich beim Schreiben in deinen eigenen Ideen verstrickst und am Ende unheimlich viel nacharbeiten musst, ist ziemlich groß.
2. Zeitersparnis beim Schreiben
Da du bereits einen Plan hast, kannst du dich während des Schreibens komplett auf die Ausarbeitung der Szenen konzentrieren. Du musst nicht erst überlegen, was als Nächstes passieren soll, sondern kannst direkt in die Details gehen. Das beschleunigt den Schreibprozess, da es weniger Pausen für kreative Überlegungen gibt.
3. Vermeidung von Schreibblockaden
Schreibblockaden treten oft auf, wenn du nicht weißt, wie es in deiner Geschichte weitergeht. Beim Plotten hast du immer einen Plan, an den du dich halten kannst. Du weißt, was in der nächsten Szene oder im nächsten Kapitel passieren soll und kennst höchstwahrscheinlich sogar die Eckdaten, also Ort, Zeitpunkt, Atmosphäre etc. Dadurch sparst du dir viele Entscheidungen und machst es dir einfacher, direkt in die Geschichte einzusteigen.
4. Bessere Übersicht über die Charakterentwicklung
Beim Plotten kannst du die Entwicklung deiner Figuren von Anfang bis Ende durchdenken. Das hilft dir, Widersprüche in ihren Handlungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Charakterbögen stimmig und nachvollziehbar sind. Zudem kannst du auch während des Schreibens auf dein Wissen über deine Figuren zurückgreifen, was dir hilft, besonders tiefe und authentische Charaktere zu erschaffen.
Die Nachteile des Plottens
Wie die meisten Dinge hat das Plotten jedoch nicht nur Vorzüge. Sonst würde es wahrscheinlich jede*r Autor*in uneingeschränkt nutzen. Doch so viele Möglichkeiten das Plotten auch bietet, kann es genauso einschränkend wirken.
1. Zeitaufwand
Ein gut durchdachter Plot braucht vor allem eines: Zeit. Abhängig davon, wie komplex und lang deine Geschichte am Ende sein soll, wird auch dein Plot Zeit zum Reifen brauchen. Sei also darauf vorbereitet, dass du nicht jedes knifflige Problem im Zuge eines Abends lösen kannst.
2. Weniger kreative Freiheit
Ein fester Plan kann hilfreich sein, er kann dich aber auch einschränken. Während du plottest, kannst du deine Fantasie so wild spielen lassen, wie du möchtest und vielleicht musst du dich sogar zügeln, um nicht sofort mit dieser einen Szene einzusteigen, die du dir gerade in allen Einzelheiten ausgemalt hast. Wenn du dann allerdings den fertigen Plot vor dir liegen hast, kann es vorkommen, dass du dich eingeengt fühlst.
Nicht immer sind die Ideen und Lösungen, die du dir beim Plotten überlegt hast, auch diejenigen, die deinen Roman voranbringen. Manchmal entwickeln sich Charaktere während des Schreibens in eine andere Richtung als ursprünglich angedacht. Oder dir kommt beim Schreiben einer Szene eine viel bessere Idee, wie du das Plotproblem in drei Kapiteln lösen könntest.
Aber weil du so viel Zeit und Energie in die Entwicklung deines Plots gesteckt hast, kann es sein, dass du dich gehemmt fühlst, diese Ideen umzusetzen.
3. Der Plan kann zu starr sein
Dadurch, dass du bereits vor dem Schreiben sehr viel kreative Vorarbeit geleistet hast, kann es sein, dass dir im Schreibprozess dann genau dieser Raum für Kreativität fehlt. Oder anders gesagt: Du bist deine Geschichte so oft in Gedanken durchgegangen, dass das Schreiben selbst für dich nicht mehr spannend ist. Du weißt bereits, was passiert und wie sich alles entwickelt – warum es also noch aufschreiben?
Manche Autor*innen empfinden es als belastend, wenn sie sich strikt an einen Plot halten müssen. Sie brauchen den kreativen Fluss und die Möglichkeit, auch auf spontane Einfälle einzugehen und vom Plan abzuweichen.
Diese Autor*innen sind es oft, die ihre Geschichte lieber direkt beim Schreiben entdecken. Sie pantsen.
Was bedeutet Pantsen?
Der Begriff „Pantsen“ leitet sich von der englischen Redewendung „to fly by the seat of your pants“ ab, was so viel bedeutet wie in unbekannten Situationen instinktiv zu handeln und sich auszuprobieren. Beim Pantsen planst du die Handlung nicht im Voraus, sondern lässt die Geschichte während des Schreibens entstehen. Es gibt keine festgelegte Struktur, und die Figuren entwickeln sich organisch mit dem Fortschreiten der Handlung. Diese Methode ist intuitiver und erlaubt mehr Spontaneität – birgt aber auch einige Risiken.
Welche Vorteile hat das Pantsen?
Im Vergleich zum Plotten hebst du dir beim Pantsen die ganze Kreativität für den eigentlichen Schreibprozess auf. Das heißt, du kannst schreiben, worauf du in diesem Moment Lust hast, auf spontane Ideen und Einfälle eingehen und deine Geschichte Szene für Szene entdecken.
Drei gute Gründe, das Pantsen auszuprobieren
1. Maximale kreative Freiheit
Pantsen bedeutet, dass du dich von deiner Geschichte leiten lässt. Du musst nicht an einem starren Plan festhalten, sondern kannst dich voll und ganz deiner Inspiration hingeben. Wenn deine Figuren plötzlich etwas Unerwartetes tun wollen oder die Handlung eine überraschende Wendung nimmt, kannst du das sofort umsetzen. Anstatt deine Kreativität im Vorfeld in feste Bahnen zu lenken, kannst du beim Schreiben und im Moment deine Ideen verwirklichen.
2. Entdeckung während des Schreibens
Viele Pantser*innen (auch ich) lieben den Prozess, die Geschichte erst während des Schreibens zu entdecken. Du erlebst deine Handlung praktisch gleichzeitig mit deinen Figuren und kannst dich von plötzlichen Wendungen überraschen lassen. Wenn eine Szene dir beim Schreiben keinen Spaß macht, kannst du sie einfach ändern, neue Elemente einfügen oder etwas ganz anderes ausprobieren, das dir gerade durch den Kopf geht. Das macht das Schreiben oft aufregender und dynamischer.
3. Flexibilität und Spontaneität
Wenn du ohne festen Plot schreibst, hast du die Freiheit, jederzeit neue Ideen einzubringen, Handlungsstränge zu ändern oder Charaktere anders zu entwickeln, als ursprünglich gedacht. Du hast keine feste Vorstellung, an die du dich halten musst, sondern bist offen für Ideen. So entstehet mitunter ein organischerer Plot mit einer authentischeren Figurenentwicklung.
Die Risiken des Pantsens
Doch genau wie beim Plotten gibt es auch beim Pantsen gewisse Risiken. Ohne einen festen Plan fällt es nämlich oft schwerer, sein Ziel zu erreichen. Du bist anfälliger für Schreibblockaden oder verlierst unter Umständen deine Geschichte aus den Augen.
1. Gefahr, sich zu verirren
Ohne klaren Plan besteht das Risiko, dass du dich in der Geschichte verzettelst. Du könntest den roten Faden verlieren oder dich in Nebenhandlungen verrennen und die Haupthandlung aus den Augen verlieren. Das führt erfahrungsgemäß dazu, dass ein Großteil der Geschichte später gestrichen und neu geschrieben werden muss.
2. Schreibblockaden sind wahrscheinlicher
Weil du ohne festen Plan schreibst, kannst du leichter in eine Situation geraten, in der du nicht weißt, wie es weitergehen soll. Du hast kein klares Ziel und deshalb sehr viele Möglichkeiten, die Geschichte zu entwickeln. Dadurch musst du aber auch mehr Zeit darauf verwenden, über die nächste Wendung nachzudenken und zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Das kann schnell zu Schreibblockaden führen, wenn dir keine gute Lösung einfällt oder du unsicher bist, wie du weitermachen möchtest.
3. Aufwendigere Überarbeitung
Da die Geschichte beim Pantsen organisch entsteht, kann es sein, dass der Plot im Nachhinein nicht perfekt zusammenpasst. Vielleicht hast du dich zwischendrin verzettelt und eine Nebenhandlung zur Haupthandlung gemacht. Oder du hast am Anfang eine Figur eingeführt, die nie wieder aufgetaucht ist. So oder so wirst du wahrscheinlich mehr Zeit für die Überarbeitung einplanen müssen, um Logiklücken zu schließen und sicherzustellen, dass alles schlüssig ist.
Eine Mischung aus beiden Welten?
Neben klaren Plotter*innen und Pantser*innen gibt es auch viele Autor*innen wie mich, die mit einer Mischung aus beiden Methoden arbeiten. Der Prozess kann dabei für jede*n ganz unterschiedlich aussehen und ist sehr stark abhängig davon, wie du als kreative Person arbeitest. Beispielsweise kannst du vor dem Schreiben schon die wichtigsten Wendepunkte oder das Ende planen, aber die Details und Szenen während des Schreibens eher spontan entwickeln. So profitierst du von der Struktur des Plottens, behältst aber die kreative Freiheit des Pantsens.
Für mich hat sich ein noch freierer Ansatz bewährt: So pantse ich den ersten Entwurf meiner Geschichte üblicherweise so weit, bis ich den roten Faden verliere. Das Ziel hierbei ist es aber auch nicht, die vollständige Geschichte zu erzählen, sondern im Schreiben Ideen und Einfälle zu sammeln und meine Charaktere kennenzulernen. Ich versuche, so viel Spaß wie möglich am Schreiben selbst zu haben und habe am Ende eine mehr oder weniger chaotische Ansammlung von Handlungen und Charakteren – Sand in einem Sandkasten sozusagen.
Aus diesem Sand baue ich dann im zweiten Schritt – einem kompletten Rewrite – eine Sandburg. Ich trete einen Schritt zurück und schaue mir in Ruhe an, was ich in meine Kiste geschaufelt habe. Dann mache ich mir ein möglichst genaues Bild von der Geschichte, die ich damit erzählen will. Ich recherchiere, arbeite anschließend einen bis auf die Szenenebene detaillierten Plot aus und schaue, ob ich Teile der bisher geschriebenen Geschichte irgendwo verwenden kann. Meist schreibe ich aber die eigentliche Geschichte erst dann und noch einmal komplett von vorn.
Dieses Vorgehen ist natürlich etwas zeitaufwendiger, ermöglicht mir aber, die Vorzüge beider Methoden zu nutzen und den Spaß an der kreativen Arbeit zu behalten.
Welche Methode ist die richtige für dich?
Die sicherste Möglichkeit, herauszufinden, welche Methode für dich funktioniert ist, es auszuprobieren. Jede*r von uns hat einen anderen Prozess und eine andere Art, an Dinge heranzugehen. Wenn du Struktur und einen klaren Plan brauchst, könnte das Plotten die bessere Wahl für dich sein. Es gibt dir Sicherheit und hilft, die Geschichte stringent und ohne Umwege zu erzählen. Wenn du jedoch eher intuitiv und spontan schreibst und dich von deiner Inspiration leiten lassen möchtest, könnte das Pantsen dein Ding sein. Du solltest dabei allerdings im Hinterkopf behalten, dass die Überarbeitung umfangreicher ausfallen könnte.
Das Schöne daran? Es gibt kein Entweder-Oder. Du kannst beide Methoden ausprobieren und dir von ihnen mitnehmen, was du brauchst.
Fazit: Roman plotten oder pantsen?
Du siehst, beide Methoden – deinen Roman zu plotten oder zu pantsen – haben ihre Vor- und Nachteile. Vielleicht hast du beim Lesen schon ein Gefühl dafür bekommen, welcher Prozess zu dir passen könnte oder deinen eigenen Ansatz wiedergefunden. Wenn du noch unsicher bist, probiere einfach beide Ansätze aus! Vielleicht merkst du schnell, dass eine Mischung für dich der ideale Weg ist. Hauptsache, du findest eine Arbeitsweise, die dir Freude bereitet und dich deinem fertigen Roman Schritt für Schritt näher bringt.
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