Beitragsbild zum Blogbeitrag "Mental Health für Autor*innen mit Brotjob: 11 Strategien, wie du Schreiben und Alltag in Balance hältst"

11 Strategien, wie du eine gesunde Balance zwischen Schreiben und Alltag aufbaust

Viele Autor*innen haben neben ihrem Schreiben einen Brotjob, um den Lebensunterhalt zu sichern. Das hat durchaus Vorteile. So musst du dich nicht darum sorgen, ob und wie viel Geld du mit dem Schreiben verdienst oder wann dein nächster Text fertig wird. Manche Autor*innen inspiriert es auch, einen Brotjob zu haben, der so gar nichts mit dem Schreiben zu tun hat. Wieder andere können sich das Leben als Vollzeit-Schriftsteller*in gar nicht vorstellen und entscheiden sich bewusst für dieses Arbeitsmodell.

Doch jede*r, der neben dem Schreiben einen Brotjob jongliert, weiß auch, dass diese Doppelbelastung eine echte Herausforderung sein kann. Die Balance zwischen Alltag und kreativer Arbeit zu finden, ist oft eine Gratwanderung. Ich würde dir hier nur allzu gern eine Zauberformel präsentieren, mit der du das Schreiben ganz easy in dein Leben integrieren kannst, doch bisher habe ich die nicht gefunden. Stattdessen habe ich in den letzten Jahren vieles ausprobiert. Ich habe die Freude am Schreiben gefunden, verloren und wiedergefunden, habe mir riesige Ziele für meine Projekte gesetzt und sie Monate später in die Schublade verbannt, weil ein neuer Job all meine Energie beansprucht hat oder meine eigenen Zweifel zu laut waren.

Herausgefunden habe ich dabei vor allem eines: Wenn das Schreiben einmal Teil deines Lebens ist, dann verschwindet es nicht, nur weil du eine zeitlang keine Worte zu Papier bringst. Und viel wichtiger: Es gibt eine ganze Menge Wege, um das Schreiben und deinen Alltag in Balance zu bringen, damit du auch langfristig Freude daran hast.

Meine besten Strategien teile ich in diesem Artikel mit dir.

Typische Herausforderungen für Autor*innen mit Brotjob

1. Zeitmangel

Der Klassiker: Zwischen Brotjob, Haushalt und Sozialleben fehlt oft einfach die Zeit, sich dem Schreiben zu widmen. Deine Woche scheint immer zu wenig Stunden zu haben und oft weißt du gar nicht, wie du alles unter einen Hut bringen sollst. Vielleicht ist es schon schwer genug, einige ruhige Momente für dich selbst einzuplanen. Da kann es schnell passieren, dass das Schreiben auf der Strecke bleibt.

2. Erschöpfung

Du hattest einen harten Tag, hast vielleicht all deine Energie in dieses eine Projekt auf Arbeit gesteckt, die Kinder und den Haushalt jongliert oder bist von A nach B gehetzt, um Termine und Treffen wahrzunehmen. Da ist es kein Wunder, dass du einfach nur müde bist, wenn du abends heimkommst. Kreatives Schreiben erfordert Fokus und Energie, beides ist jedoch nach einem langen Arbeitstag schwer (okay, manchmal ganz unmöglich) aufzubringen.

3. Schreibdruck

„In diesem Tempo werde ich niemals fertig“ oder „Ich bin so müde, aber ich muss heute noch XY Wörter schaffen“ – kommen dir solche Gedanken bekannt vor? Mir auch. Viele Autor*innen mit einem Brotjob spüren den inneren Druck, trotzdem produktiv zu sein. Na klar, denn wir wollen unsere Ziele erreichen, unser Buch fertigstellen, vielleicht sogar irgendwann vom Schreiben leben können. Doch an manchem Tagen läuft das Schreiben eben langsamer (oder gar nicht), du bist ausgelaugt oder du merkst, dass du dein Ziel nicht so schnell erreichen wirst wie geplant. Sich in diesen Situationen Druck zu machen, kann dir auf lange Sicht jedoch die Freude am Schreiben verderben und dich sogar komplett blockieren.

4. Selbstzweifel und Perfektionismus

Es gibt eine Sache, die die meisten Schreiberlinge gemeinsam haben und das ist Perfektionismus. Da mit einem Brotjob nur begrenzt Zeit zum Schreiben bleibt, scheint jede Minute umso kostbarer, und das führt oft dazu, dass du dich selbst zu sehr unter Druck setzt und nicht mit dem zufrieden bist, was du schaffst. Bei mir hat dieser Druck sogar dazu geführt, dass ich für eine Weile komplett mit dem Schreiben aufgehört habe und mich erst über kürzere Projekte und Gedichte wieder langsam herantasten musste.

Damit es dir nicht so geht wie mir, habe ich meine Learnings aus den letzten Jahren für dich gesammelt.

Wie du als Autor*in mit Brotjob deine psychische Gesundheit stärkst

Schreiben neben einem Brotjob erfordert viel Selbstdisziplin und Organisation, aber vor allem Geduld und Ehrlichkeit mit dir selbst. Indem du deine kreative Arbeit mit deinem Alltag in Einklang bringst, reduzierst du jedoch Stress und Zweifel und kommst einem authentischen kreativen Leben ein Stückchen näher. Wie das geht?

1. Setze dir realistische Ziele

Ziele richtig zu formulieren ist komplizierter als es klingt.

„Quatsch“, denkst du vielleicht gerade. „Ich weiß genau, was ich will. Einen Roman zu Ende schreiben, ein Buch in einem bekannten Verlag veröffentlichen, ein*e bekannte*r Autor*in mit Tausenden, sogar Millionen Fans werden.“

Es ist großartig, diese Ziele vor Augen zu haben. Doch hast du schon einmal überlegt, wie du deinen Weg bis dahin strukturieren kannst? Wenn du neben einem Job schreibst, ist es essenziell, realistische Ziele zu setzen. Du wirst nicht dieselbe Menge an Worten oder Kapiteln schaffen wie jemand, der hauptberuflich schreibt. Es wird länger dauern, deinen Roman fertigzustellen und das ist vollkommen in Ordnung.

Die lange Reise bis zum fertigen Roman oder verlegten Buch wird dir kürzer erscheinen, wenn du dir erreichbare Meilensteine setzt. Wie wäre es für den Anfang damit, ein Kapitel zu beenden oder jeden Tag für eine halbe Stunde zu schreiben? Jede Seite, die entsteht, ist ein Fortschritt, und genau diese kleinen Schritte bringen dich langfristig zum Ziel.

Bonus: Sprich mit Freund*innen, Familie oder in deiner Schreibgruppe über deine Ziele. Dann bist du oft motivierter, sie einzuhalten.

2. Schaffe Routinen und feste Schreibzeiten

Ein vollgepackter Alltag verlangt ein Mindestmaß an Planung. Feste Schreibzeiten helfen dir, das Schreiben in deinen Alltag zu integrieren und zu verankern. Finde ein Zeitfenster in deiner Woche, an dem du das Schreiben regelmäßig unterbringst. Du kannst morgens eine halbe Stunde früher aufstehen? Toll! Du hast eine Stunde Mittagspause und weißt gar nicht, was du mit dieser Zeit anfangen sollst? Oder vielleicht bist du eine Nachteule und kannst nach dem Abendessen noch schnell eine Stunde abzwacken, bevor du es dir auf der Couch gemütlich machst? Egal, welches Zeitfenster du finden kannst – mach es zu deiner Schreibzeit und trage es dir fett in den Kalender ein.

3. Mach es dir selbst so einfach wie möglich

Wenn du dein Zeitfenster gefunden und zu deiner Schreibzeit erklärt hast, ist es wichtig, dass du auch dabei bleibst.
Nach einem langen Tag fällt es dir oft schwer, dich zu motivieren? Vielleicht hilft es dir dann, in kurzen, knackigen Schreibsprints zu arbeiten. Denk daran, dass nur ein paar Worte schon besser sind als eine leere Seite. Gib dir nur zehn Minuten und schau, wie es so läuft.

Versuche außerdem, zum Ende einer Schreibsession bereits den Anfang für die nächste vorzubereiten. Lass dir Notizen für den nächsten Tag da oder schreibe direkt einige Sätze in den Anfang einer neuen Szene. So musst du beim nächsten Mal nicht mit einer leeren Seite starten, sondern kannst direkt loslegen.

4. Schaffe dir einen Rückzugsort

Wenn du dich mental auf das Schreiben vorbereiten willst, ist es hilfreich, einen Ort zu haben, der nur dafür da ist. Egal, ob es eine bestimmte Ecke in deinem Zuhause, ein Café oder die Bibliothek ist – ein fester Ort hilft dir, in den „Schreibmodus“ zu kommen und den Alltag für eine Weile auszublenden.

5. Entwickle ein Schreibritual

Rituale und Gewohnheiten haben einen riesigen Effekt auf die Art, wie wir Dinge wahrnehmen. Wenn das Schreiben dein Happy Place ist, warum dann nicht bestimmte Rituale erschaffen, damit es sich auch genauso anfühlt? Das können ganz kleine Dinge sein, wie beispielsweise eine Kerze anzuzünden, eine bestimmte Playlist anzumachen oder dir dein Lieblingsgetränk bereitzustellen. Du kannst auch einen Schritt weitergehen und dir eine ganz bestimmte Tageszeit als Schreibzeit festsetzen, oder das Schreiben in deine Abend- oder Morgenroutinen integrieren.

6. Erlaube dir Pausen

Wie oben schon gesagt erfordert psychische Gesundheit vor allem Ehrlichkeit mit dir selbst. Wenn du erschöpft bist und gerade einfach keine Energie für deine kreativen Projekte hast, erlaube dir eine Pause zu machen, statt dich zum Schreiben zu zwingen. Kreativität und Druck vertragen sich nicht gut und wenn du dich zu sehr antreibst, verlierst du langfristig vielleicht sogar die Freude am Schreiben. Gib dir also lieber die Ruhe, die du brauchst und finde heraus, wie du deine kreative Energie auffüllst, anstatt zu versuchen, aus einer leeren Quelle zu schöpfen.

7. Sag öfter mal Nein

Wenn du Schreiben und Brotjob unter einen Hut bringen willst, musst du oft bewusst Prioritäten setzen. Vielleicht bedeutet das, ein Treffen mit Freund*innen zu verschieben, damit es sich nicht mit deiner Schreibzeit überschneidet. Oder den Haushalt (mit dem man ja nur zu gut prokrastinieren kann) wirklich mal liegenzulassen, um dieses eine Kapitel fertigzustellen. Vielleicht bedeutet es aber auch, Aufgaben abzugeben, die dir Energie rauben oder längerfristig zu schauen, ob du deine Stunden im Job reduzieren kannst, um dir selbst mehr Freiräume zu geben.

8. Tausche dich mit anderen Kreativen aus

Der Austausch mit anderen Autor*innen kann unglaublich unterstützend sein – besonders, wenn diese ebenfalls nebenbei arbeiten und deine Herausforderungen nachvollziehen können. Ob Schreibgruppen, Foren oder soziale Medien: Vernetze dich mit anderen, die in einer ähnlichen Situation sind. So könnt ihr euch gegenseitig motivieren, unterstützen und sogar Erfahrungen austauschen. Außerdem ist es viel leichter, Schreibzeiten einzuhalten, wenn du mit jemandem verabredet bist.

9. Feiere deine Erfolge

Zugegebenermaßen ein Punkt, an dem ich selbst noch arbeite. Das Schreiben fordert Disziplin und manchmal scheint es dennoch, als würden wir kaum vorankommen. Dabei zählt jeder noch so kleine Schritt. Gerade, wenn du nur begrenzt Zeit fürs Schreiben hast, ist es wichtig, deine Erfolge zu feiern. Du hast die ersten fünftausend Wörter deines Manuskripts geschrieben? Grandios! Du hast es geschafft, einen Monat lang jeden Tag zu schreiben? Fanstastisch! Jetzt gönn dir ein großes Stück Kuchen im Lieblingscafé oder das Buch, das schon ewig auf deiner Wunschliste steht und nimm dir einen Moment, um dir selbst auf die Schulter zu klopfen. Belohne dich für deine Arbeit – das motiviert und hilft dir, positive Emotionen mit deinem Schreibprozess zu verknüpfen.

Bonus: Wenn du anderen von deinen Zielen erzählt hast, sprich auch darüber, wenn du sie erreichst. Denn gemeinsam freuen ist direkt doppelt so schön.

10. Sammle deine liebsten Sätze

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du deine eigenen Worte liest und denkst: „Wow, das habe ich geschrieben?“ Gerade, wenn es dir wie mir geht und du gern nur das siehst, was du noch verbessern möchtest, ist es wichtig, dass du dir regelmäßig bewusst machst, was du bereits sehr gut kannst. Kopiere dir deine liebsten Textstellen oder Sätze in ein extra Dokument. Vielleicht hast du deine Texte sogar schon mit jemandem geteilt und positives Feedback erhalten? Dann kannst du dir einen extra Ordner anlegen, wo du beides abspeicherst. Wichtig ist, dass du etwas hast, zu dem du jederzeit zurückkehren kannst, um dich daran zu erinnern, dass das, was du schreibst, gut ist und dass es Menschen gibt, die deine Texte bewegen (ja, das darfst auch nur du selbst sein😉).

11. Akzeptiere, dass es Phasen gibt

Kennst du das? Du hast dir Ziele gesetzt, hast dir fest vorgenommen, sie zu erreichen, du hast Pläne gemacht und bist jeden Schritt bis ins kleinste Detail durchgegangen. Du bis dir sicher, dass du schaffen kannst, was du dir vorgenommen hast und du machst dich voller Motivation an die Arbeit … nur um einige Wochen später festzustellen, dass irgendwie die Luft raus ist. Dass du trotz all deiner Berechnungen nicht so schnell vorankommst wie du dir wünschen würdest.

Sogar die besten Routinen und Pläne geraten manchmal aus den Fugen, das ist vollkommen normal. Das Leben ist ständig in Bewegung und es gibt immer wieder Phasen, in denen das Schreiben einfach nicht die oberste Priorität hat. Vielleicht ist dein Job intensiver oder deine Gesundheit zwingt dich, langsamer zu machen, vielleicht beansprucht deine Familie oder dein Umfeld gerade deine Aufmerksamkeit. Es ist okay, wenn das Schreiben in diesen Zeiten mal zurückstehen muss. Erlaube dir, dich erstmal auf die Herausforderungen dieser Phase zu konzentrieren, ohne dir wegen des Schreibens Druck zu machen. Vertraue darauf, dass deine Kreativität wiederkommt. Denn aus Erfahrung kann ich sagen: Das tut sie immer.

Schreiben mit Brotjob? Aber klar!

Schreiben neben einem Brotjob kann anstrengend und kräftezehrend sein. Oft erfordert es viel Planung, klare Grenzen und Selbstfürsorge, um einen Weg zu finden, beides zu vereinen. Aber es ist definitiv möglich, eine gesunde Balance zwischen deiner kreativen Arbeit und deinem Alltag aufzubauen. Indem du realistische Ziele setzt, feste Schreibzeiten einplanst und gut auf dich selbst achtest, kannst du nicht nur produktiver schreiben, sondern auch deine Freude am kreativen Prozess bewahren. Denk immer daran, dass das Schreiben dir in erster Linie Spaß machen soll.


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Annalena Rauh am Schreibtisch, lächelt in die Kamera, im Hintergrund der Arbeitsplatz mit Laptop und Pflanzen.
© Annalena Rauh, 2024