
DIY-Lektorat: So überarbeitest du dein Buch mit Struktur
Du hast es geschafft! Du hast die vier magischen Buchstaben „Ende“ unter dein Manuskript gesetzt. Du hast eine Geschichte erzählt, deine Protagonist*innen durch Höhen und Tiefen begleitet und mittlerweile wahrscheinlich ein endlos großes Dokument oder einen riesigen Stapel Papier vor dir. Aber was jetzt? Woher weißt du, dass das, was du geschrieben hast, gut ist? Und wie machst du jetzt weiter?
Egal, ob du Verlagsautor*in oder Selfpublisher*in bist: Der nächste Schritt ist das Lektorat deines Buches. Doch egal, ob dein Verlag deine*n zukünftige*n Lektor*in wählt oder du selbst: Bevor du dein Manuskript in professionelle Hände gibst, solltest du deinen Text so gut wie möglich selbst überarbeiten. Denn: ein gründliches DIY-Lektorat spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern verbessert auch die Qualität deines Buches erheblich. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dein Manuskript optimal auf das Lektorat vorbereitest.
- Warum ein DIY-Lektorat wichtig ist
- DIY-Lektorat: So überarbeitest du dein Buch Schritt für Schritt
- Woher weiß ich, wann ich genug überarbeitet habe?
- Warum ein professionelles Lektorat unverzichtbar bleibt
Warum ein DIY-Lektorat wichtig ist
Bevor du dein Buch an eine*n professionelle*n Lektor*in gibst, solltest du selbst noch einmal Hand anlegen. Als Lektorin sehe ich immer wieder dieselben Fehler in Belletristik-Manuskripten. Indem du deinen Roman selbst überarbeitest, kannst du bereits viele dieser Fehler identifizieren und ausbessern (wie genau, erkläre ich hier).
Je besser du deinen Text aufbereitest, desto effizienter kann dein*e Lektor*in später arbeiten. Dadurch sparst du dir nicht nur Kosten fürs Lektorat, sondern kannst dich gemeinsam mit dem*der Lektor*in auf die wirklichen Baustellen deiner Geschichte konzentrieren, ohne dass ihr nochmal bei den Fundamenten beginnen müsst.
Ein durchdachtes DIY-Lektorat hilft dir, deine eigenen Stärken und Schwächen besser auszuloten, das Fundament deines Textes zu zementieren und stilistische Schwächen zu beheben. So sorgst du dafür, dass dein Manuskript in seiner besten Form im Lektorat landet.
DIY-Lektorat: So überarbeitest du dein Buch Schritt für Schritt
Nach der Rohfassung ist vor dem Überarbeiten, sage ich immer gern. Welches von beidem das schwerere Stück Arbeit ist, sei ganz dir selbst überlassen – manchen macht das freie Schreiben der Rohfassung mehr Spaß, anderen das „Herausmeißeln” des fertigen Romans aus ebendieser. Für mich war das Überarbeiten am Anfang purer Horror. Ich habe mich in verschiedenen Versionen verstrickt, immer wieder neue Ideen eingebaut und am Ende wieder ganz von vorn begonnen. Mittlerweile kenne ich jedoch meinen Schreibprozess besser und habe einen Weg gefunden, effektiv zu überarbeiten. Damit dir das auch gelingt, habe ich meine Vorgehensweise hier als Anleitung für dich zusammengestellt. So überarbeitest du Schritt für Schritt deine Rohfassung zu einem guten Roman:
1. In der Ruhe liegt die Kraft
Ohne Ruhe geht beim Überarbeiten gar nichts. Deshalb darfst du dich, wenn du die Rohfassung beendet hast, erstmal ganz entspannt zurücklehnen, dir dein Lieblingsgetränk einschenken und das Leben genießen. Mindestens ein paar Wochen, idealerweise ein paar Monate – so lange, bis deine Geschichte aus deinem Kopf verschwunden ist und du sie mit frischen Augen lesen kannst.
2. Das perfekte Buch
Während du dich entspannst und dein Leben genießt, kannst du ruhig ein bisschen groß denken. Erinnere dich an die ganz ursprüngliche Vorstellung, die du von deiner Geschichte hattest, an die Atmosphäre, die du kreieren wolltest, die Charaktere und ihre Eigenarten, bis du dein perfektes Buch in allen Details beschreiben könntest. Was sollen deine Leser*innen später über das Buch sagen, wovon werden sie begeistert sein, was wird sie fesseln? Wenn du dein perfektes Buch genau kennst, mach dir am besten ein paar Notizen, denn in den folgenden Schritten werden wir deine Rohfassung in genau dieses Buch verwandeln.
3. Stärken und Schwächen deines Buches ausloten
Wenn du gedanklich genügend Abstand zu deinem Buch gewonnen hast, wird es Zeit, dich in deine*n erste*n Leser*in zu verwandeln. Dann darfst du dir ganz, ganz viel zusammenhängende Zeit freischaufeln und deine Rohfassung einmal komplett lesen. Am besten legst du dir dazu meine Checkliste für Autor*innen vor dem Lektorat neben deinen PC und prüfst nach jeder Szene bzw. jedem Kapitel, welche Punkte du abhaken kannst und wo noch Arbeit nötig ist.
Markiere alles, was dir seltsam erscheint. Mach Kommentare, wenn ein Textteil holprig ist, wenn dir Fehler beim Setting oder Logiklücken auffallen, wenn du Plotholes entdeckst oder dir auffällt, dass ein Charakter sich so gar nicht verhält, wie er sollte. Keine Sorge, in diesem Schritt geht es noch nicht darum, Lösungen für all die Problemstellen zu finden. Wichtig ist erst einmal nur, dass du ein Gefühl dafür bekommst, an welchen Stellen du noch einmal ansetzen musst und warum. Während du liest, solltest du dich immer wieder fragen: Wäre das in meinem perfekten Buch enthalten?
Gleichzeitig darfst und solltest du in diesem Schritt unbedingt auch Sätze oder Stellen markieren, bei denen du über dich selbst staunst und von denen du findest, dass sie dir richtig gut gelungen sind. Wenn du willst, kannst du sie sogar ausdrucken und über deinen Schreibtisch pinnen. Denn zwischen all den Verbesserungen, die du an deinem Buch noch vornimmst, lohnt es sich, dich immer wieder daran zu erinnern, dass du auch verdammt gute Szenen und Sätze schreiben kannst.
4. Organisiere das Chaos
Wenn dein Manuskript schon ganz bunt vor lauter Kommentaren ist und du am liebsten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würdest, ist es Zeit, den Berg Arbeit in kleine Häppchen aufzuteilen. Und zwar kannst du jeden Kommentar mit einem Label versehen. Ich persönlich nutze dafür in Word einfach ein Schlagwort in Großbuchstaben, was ich zu Anfang jedes Kommentars einsetze, z.B. „LOGIK“, „PERSPEKTIVE“, „ZEITABLAUF“ etc. (das mache ich übrigens auch im Lektorat so). Dadurch kannst du ganz einfach mit der Suchfunktion in Word alle Baustellen einer Sorte finden und angehen.
Ich würde dazu immer empfehlen, mit den „großen“ Sachen wie Logikfehlern, Plotholes und dem Zeitablauf anzufangen, weil sich diese stark auf die ganze Geschichte auswirken. Danach kannst du Probleme auf Szenenebene wie Perspektivfehler, Probleme mit den Charakteren, fehlende Atmosphäre oder Info-Dumping angehen.
5. Den Überblick behalten
Besonders, um eine Lösung für die Plotholes zu finden oder den Spannungsbogen zu prüfen, kann es sinnvoll sein, alle Szenen einzeln zusammenzufassen. Das geht mit Karteikarten, einer Excel-Tabelle oder einem Schreibprogramm, das Zusammenfassungen ermöglicht (ich persönlich bin da großer Fan von Scrivener). Mit jeder dieser Methoden kannst du am Ende ein bisschen probieren, ein paar Szenen hin- und herschieben, vielleicht auch mal ganz weglassen oder neue Szenen überdenken, bis der Plot und Spannungsbogen an dein perfektes Buch aus Schritt 2 erinnert. Wenn du bereits vor dem Schreiben der Rohfassung deinen Plot gut geplant hast, hast du an dieser Stelle die meiste Vorarbeit schon getan und musst wahrscheinlich nur noch nachjustieren.
6. Kill your Darlings … and your Problems
An diesem Punkt solltest du eine Vorstellung von deinem perfekten Buch haben und alle Stellen in deinem aktuellen Manuskript kennen, die diesem Buch im Weg stehen. Du kennst deinen Plot und weißt, welche Szenen, Plotpoints oder Charaktere gerade noch nicht so funktionieren, wie sie sollen. Aber genau hier passiert die eigentliche Magie des Überarbeitens: Denn sobald du weißt, was nicht funktioniert, kannst du Lösungen dafür finden.
Das kann etwas dauern und vielleicht musst du bei manchem Problemen eine Weile überlegen, bis dir die perfekte Lösung einfällt, aber wenn du als Autor*in eines bist, dann kreativ. Also nimm dir Schritt für Schritt jeden deiner zuvor gemachten Kommentare vor, von den ganz großen bis zu den kleinen, und arbeite mit dem, was du bereits hast. Zögere nicht, auch Stellen zu bearbeiten, die du richtig gern magst oder Charaktere zu verändern, die dir wichtig sind (your Darlings), wenn es der Verbesserung deiner Geschichte dient. Lass dir genug Zeit und sprich mit Familie, Freund*innen oder Kolleg*innen, vielleicht sogar mit Fremden, wenn du nicht weiterkommst. Am Ende wirst du erstaunt über die Entwicklung sein, die du und dein Manuskript hingelegt haben.
7. Die Feinarbeit
Wenn du alle Punkte überarbeitet hast, an denen dein Manuskript zuvor eckig und kantig war, folgt ein zweiter Lesedurchgang. An dieser Stelle kannst du schauen, wo Sätze vielleicht noch holprig klingen oder dir bestimmte Bilder, Vergleiche oder Wörter nicht gefallen. Fallen dir bestimmte Ausdrücke auf, die du oft benutzt? Passen die Inquit-Verben zum vorhergehenden Dialog? Nutzt du gern bestimmte Füllwörter? Nutzt du wirklich passende und originelle Vergleiche oder fallen dir beim Lesen noch bessere ein?
8. Fehlerkorrektur und Formatierung
Zum Schluss geht es um die Fehlerkorrektur. Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung sollten fehlerfrei sein, damit dein Text später angenehm zu lesen ist. Aber mal ehrlich: Tippfehler, Buchstabendreher und Zeichensetzungsfehler schleichen sich bei den besten Autor*innen ein.
Die gute Nachricht? Du musst kein Grammatik-Ass sein, um deinen Text gut aufzubereiten. Während sie im Kreativbereich nur beschränkt zu empfehlen sind, helfen dir bei der Fehlerkorrektur KI-Tools wirklich weiter. Anwendungen wie beispielsweise der Duden Mentor oder das Laguagetool analysieren deinen Text und zeigen dir neben Rechtschreib– und Grammatikfehlern auch Füllwörter, Stilfehler wie zu lange Sätze und falsch angewendete Redewendungen an. Mit wenigen Klicks kannst du so deinen Text von den gröbsten Fehlern befreien.
Anschließend und abschließend geht es noch an die Formatierung deines Texts fürs Lektorat. Ein gut formatierter Text erleichtert nämlich sowohl dir als auch deinem*deiner Lektor*in die Arbeit. Achte also auf Details wie Absätze, Kapitelüberschriften und Szenenwechsel. Zudem ist es hilfreich, wenn du dein Manuskript schon vor dem Lektorat in Normseiten formatierst (eine Anleitung dazu findest du hier). Dadurch kannst du selbst und auch dein*e Lektor*in den Umfang besser abschätzen und genauere Kalkulationen für die Dauer und den Preis erstellen.
Woher weiß ich, wann ich genug überarbeitet habe?
Oder auch: Ist mein Buch jetzt fertig? Und woher weiß ich, dass es fertig ist? Nachdem ich hier die ganze Zeit von deinem perfekten Buch gesprochen habe, werde ich jetzt etwas ganz Kontroverses sagen. Perfekt gibt es nicht. Dein perfektes Buch ist eine Illusion, die dir hilft, bei der Überarbeitung ein Ziel vor Augen zu haben. In diesem Schritt musst du dich von der Vorstellung allerdings verabschieden, ansonsten wirst du wahrscheinlich noch Jahre nach winzigen Fehlern suchen und den Text am Ende totüberarbeiten. Natürlich gibt es Punkte, die dein Manuskript erfüllen sollte (s. meine Checkliste für Autor*innen). Aber wenn du dein Buch anhanddessen überarbeitet hast, ist an dieser Stelle alles getan, was du allein tun kannst. Im nächsten Schritt brauchst du Hilfe von außen. Denn: Einen guten Roman schreibt man nicht im Alleingang.
Warum ein professionelles Lektorat unverzichtbar bleibt
So gründlich dein DIY-Lektorat auch sein mag, ein*e professionelle*r Lektor*in sieht deinen Text mit geschulten Augen und einem frischen Blick. Mal ehrlich, nach mehreren Überarbeitungsrunden und all der Zeit, die du bereits mit deinem Manuskript verbracht hast, ist es ganz normal, dass du betriebsblind wirst. Lektor*innen entdecken Fehler und Schwächen, die du als Autor*in leicht übersiehst. In meinem Blogbeitrag über die Notwendigkeit eines professionellen Lektorats erkläre ich, warum dieser Schritt unverzichtbar für die Qualität deines Buches ist.
DIY-Lektorat: Der erste Schritt auf dem Weg zur Veröffentlichung
Ein DIY-Lektorat ist eine hervorragende Möglichkeit, dein Buch auf das professionelle Lektorat vorzubereiten. Indem du strukturelle und inhaltliche Schwächen selbst behebst und deinen Text aufbereitest, legst du den Grundstein für ein erfolgreiches Lektorat.
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Bereit fürs Lektorat?
Gute Bücher sind Teamwork. Deshalb helfe ich dir mit einem professionellen und empathischen Lektorat, nicht nur dein Manuskript aufs nächste Level zu heben, sondern auch, dich als Autor*in weiterzuentwickeln. Gemeinsam machen wir aus deiner Geschichte ein funkelndes Meisterwerk! Erzähle mir in einer kurzen Nachricht von deinem Projekt oder nutze direkt das Anfrageformular, damit ich deine Projektanfrage noch zielgenauer bearbeiten kann. Ich freue mich, von dir zu hören!


