
Das Grundgerüst für dein Buch: Die 5 Pfeiler einer richtig guten Geschichte
Schließ deine Augen und stell dir deinen Text vor. Als gedrucktes Buch, als Gedichtband oder vielleicht als Stapel handschriftlicher Seiten in den Händen eines Lieblingsmenschen. Dieser Lieblingsmensch – oder vielleicht auch jemand ganz Fremdes – hat gerade deine Worte gelesen und ist in deine Welt eingetaucht. Vielleicht stehen ihm oder ihr Tränen in den Augenwinkeln, vielleicht entdeckst du ein Lächeln. In diesem Moment weißt du: Was du da geschrieben hast, ist verdammt gut. Ein tolles Gefühl, oder?
Aber wie schreibe ich ein richtig gutes Buch?
Wenn du schreibst, ist es sicherlich nicht das erste Mal, dass du dir diese Frage stellst. Was macht einen wirklich guten Text aus? Was braucht es, damit deine Worte berühren, mitreißen oder zum Nachdenken anregen?
Zuerst einmal muss ich dich enttäuschen: Die ultimative Formel für den einen perfekten Text gibt es nämlich nicht. Denn so verschieden wie wir Menschen sind, so sehr unterscheiden sich auch unsere Erfahrungen, unsere Vorlieben und dementsprechend auch die Art, wie wir uns mit Texten verbinden. Womit sich eine Person identifizieren kann, fühlt sich für eine andere vielleicht ganz fremd an. Während du vielleicht gern Action und kurze Dialoge liest, mögen deine Freund*innen Liebesgeschichten oder fantastische Welten, in denen sie abtauchen können. Demensprechend kann gar nicht jeder Text allen Menschen gefallen.
Die Grundpfeiler für starke Geschichten
Aber – und hier wird es spannend – ganz unabhängig von Genre und Zielgruppe baut jeder verdammt gute Text auf einem starken Grundgerüst auf. Du kannst es dir vorstellen wie ein Haus: Je nach Genre und Zielgruppe nutzt du vielleicht einen anderen Baustil und andere Materialien, doch jedes Haus braucht ein Fundament, dazu Grundpfeiler, die die Wände stabilisieren und das Dach tragen. Dieses Grundgerüst besteht bei Texten aus 5 Säulen und die schauen wir uns im Folgenden genauer an.
1. Was du erzählst: Entwickle deinen Plot.
Na klar, eine gute Geschichte ist das Herzstück eines jeden Textes. Gleich zu Anfang wird eine Frage aufgeworfen, deren Antwort Leser*innen zum Umblättern bringt. Bekommt die Prinzessin ihren Prinzen? Kann Frodo den Ring rechtzeitig vernichten? Wird die Polizei es schaffen, den Killer zu schnappen?
Mit dieser zentralen Frage eröffnest du den Konflikt deiner Geschichte und gibst deinen Protagonist*innen ein Ziel und einen Grund, dieses erreichen zu wollen. Über die folgenden Seiten kannst du den Konflikt dann noch vertiefen, beispielsweise indem du viele kleinere Konflikte einbaust oder aber die Hürden für deine Protagonist*innen erhöhst. Deine anfängliche Frage und der Konflikt bilden sozusagen die Wurzel, aus der du später Spannung aufbauen und bis zum Höhepunkt treiben kannst.
Aber nicht vergessen – am Ende deines Textes sollten deine Leser*innen immer eine Antwort erhalten – zumindest in Teilen. Außerdem ist es wichtig, dass der Weg, den deine Protagonist*innen bis dahin beschreiten, zumindest ein gewisses Maß an Originalität aufweist. Natürlich muss nicht jede Geschichte das Rad neu erfinden und es ist vollkommen okay, altbekannte Motive und Tropes zu verwenden. Aber eine richtig gute Geschichte beinhaltet immer auch etwas Neues, so noch nicht Dagewesenes. Vergiss also nicht, der Geschichte deinen ganz eigenen, kreativen Anstrich zu verpassen.
2. Wie du erzählst: Finde deinen Stil.
„Es spielt keine Rolle, ob die Geschichte schon existiert. Keiner kann sie so erzählen wie du.” Den Spruch hast du sicherlich in irgendeiner Form schon einmal gehört und obwohl er fast wie ein Klischee anmutet, steckt ein Körnchen Wahrheit darin. Denn jeder von uns hat einen ganz besonderen, einzigartigen Blick auf die Welt und selbst, wenn man fünf Leuten dieselbe Idee gäbe, würden am Ende fünf ganz unterschiedliche Geschichten entstehen.
Die Art, wie du schreibst, worauf du Wert legst und welche Gefühle du vermittelst, ist etwas, das eine beliebige Geschichte zu deiner macht. Dein Schreibstil und deine Wortwahl sind ausschlaggebend dafür, welche Geschichte du am Ende erzählst und wen du damit erreichst. Deine Worte müssen deine Leser*innen fesseln und mitreißen – du musst mit ihnen malen können wie andere mit Farben auf einer Leinwand. Das gelingt dir zum Beispiel, indem du dynamische Verben benutzt oder die Sinneseindrücke deiner Protagonisten wiedergibst.
Je mehr du schreibst, desto natürlicher wirst du dabei in einen ganz eigenen Stil verfallen, der dich und deine Geschichte später von all den anderen Geschichten und Autor*innen da draußen abhebt.
3. Wen du erzählen lässt: Wähle die beste Perspektive.
Welche Charaktere bietet deine Geschichte? Hast du dich schon einmal gefragt, wie es wäre, wenn statt des Protagonisten plötzlich dein Antagonist zu Wort käme? Die Perspektive, aus der du erzählst, kann deine Geschichte komplett verändern.
Jeder deiner Protagonist*innen und Antagonist*innen sollte einzigartig und komplex sein, um deine Leser*innen zu faszinieren. Zeige nicht nur ihre Stärke und ihren Mut, sondern auch ihre Schwächen, ihre schlechten Angewohnheiten und ihre Ängste. Gib deinen Leser*innen Einblick in ihre Vergangenheit und ermögliche es ihnen, sich in die Charaktere hineinzuversetzen, sich vielleicht sogar mit ihnen zu identifizieren. Oder schaffe bewusst eine Distanz zwischen deinen Leser*innen und den Protagonist*innen, lass sie die Handlungen hinterfragen und sich davon abgrenzen.
Deine Erzählperspektive entscheidet, wie viel Nähe oder Distanz zu den Charakteren deine Leser*innen halten. Lässt du eine*n Ich-Erzähler*in zu Wort kommen oder berichtet ein*e Er-Erzähler*in, nimmt die Erzählperson eine personale Perspektive ein oder bleibt sie außerhalb der Köpfe deiner Charaktere? Wechselst du von Kapitel zu Kapitel die Perspektive oder verfolgst du die Entwicklung einer einzigen Hauptfigur?
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen und jede von ihnen hat andere Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass du dich mit deiner Wahl wohlfühlst und sie zu dem passt, was du ausdrücken willst. Denn darum geht es in den nächsten beiden Punkten.
4. Welche Gefühle du weckst.
Es erklärt sich von selbst, dass es einen Unterschied macht, wann und wo deine Geschichte angesiedelt ist. Spielt sie im New York der 20er-Jahre oder in Berlin im Jahre 3000? Scheint die Sonne oder regnet es ohne Unterhalt? Wie sieht die Welt aus? Welche Gebäude, welche Kleidung oder welche Technologie sieht man auf den Straßen? Sind die Menschen zufrieden oder herrscht Not oder sogar Krieg? Woran glauben die Menschen, worauf hoffen sie, wofür kämpfen sie?
All diese Fragen solltest du beantworten können, wenn du eine umfassende Atmosphäre in deiner Geschichte kreieren willst. Je nachdem, wie realistisch oder fantastisch deine Geschichte ist, erfordert das natürlich ein gewisses Maß an Worldbuilding. Außerdem spielen die Empfindungen, Stimmungen und Eindrücke deiner Protagonist*innen eine wesentliche Rolle. Im Idealfall können deine Leser*innen die Atmosphäre in deiner Welt durch die Sinne deiner Protagonist*innen erspüren und an deren Seite tief in die Geschichte eintauchen.
5. Welche Nachricht du vermittelst.
Wenn du alle vorigen Punkte berücksichtigt hast, hast du an dieser Stelle die volle Aufmerksamkeit deiner Leser*innen. Sie sind in die Geschichte vertieft, teilen die Gefühle und Gedanken deiner Charaktere und fiebern darauf hin, eine Antwort auf die zentrale Frage zu erhalten. Dies ist der Moment, in dem du deinem Text Bedeutung verleihst.
Indem du deiner Geschichte ein Thema und eine Message gibst, kannst du mit deinen Worten wirklich etwas erreichen. Was möchtest du den Menschen, die deine Geschichte lesen, mit auf ihren Weg geben? Möchtest du ihnen Hoffnung, Glauben oder Trost spenden? Möchtest du ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubern oder an sie appellieren?
Wenn du jetzt erst einmal überfordert bist, weil du dir darüber noch gar keine Gedanken gemacht hast, dann denk einmal an deine eigenen Lieblingsgeschichten. Welches ist das erste Gefühl, das dir in den Sinn kommt, wenn du an dein Lieblingsbuch denkst? Was hast du gedacht und empfunden, als du es zum ersten Mal gelesen hast? Im Idealfall hat das Thema und die Message der Geschichte dich so berührt, dass du auch Monate oder Jahre später noch darüber nachdenkst. Vielleicht hat sie sogar dazu geführt, dass sich in dir etwas verändert hat – ob es nun dein Denken, dein Handeln oder deine Einstellung zu einem Thema waren.
Die Botschaft deiner Geschichte muss nicht weltverändernd oder brandneu sein. Wichtig ist nur, dass sie zur zentralen Frage und deren Antwort passt. Wie ein Band sollte sie die vorigen vier Aspekte deiner Geschichte umschnüren und zusammenhalten, damit am Ende ein stimmiges Gesamtbild entsteht.
Eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt
Du siehst, ein guter Text ist viel mehr als nur eine Sammlung von Worten. Er berührt, fesselt und bleibt seinen Leser*innen auch lange nach den letzten Silben noch im Gedächtnis. Wenn du dir die Zeit nimmst, ein starkes Grundgerüst für deinen Text zu entwickeln, wird das Ergebnis deine Leser*innen umso stärker bewegen. Und gibt es etwas Schöneres, als zu sehen, dass der eigene Text andere Menschen berührt?
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Gerne helfe ich dir dabei. Egal, ob du Unterstützung beim Bau des Grundgerüsts brauchst oder ein frisches Paar Augen, das Stärken und Verbesserungspotenziale deines Textes erkennt – gemeinsam holen wir das Beste aus deinem Text heraus. Erzähle mir in einer kurzen Nachricht von deinem Projekt oder nutze direkt das Anfrageformular, damit ich deine Projektanfrage noch zielgenauer bearbeiten kann. Ich freue mich, von dir zu hören!


